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MERS – ein infektiöses Akronym sorgt für Aufregung

Das Middle East Respiratory Syndrome – kurz MERS - ist bereits seit 2012 bekannt. Bislang wurden der WHO über 1000 Fälle der Virus-Infektion, verursacht durch das MERS-Coronavirus (MERS-CoV), gemeldet. Diese traten hauptsächlich in der Region des ersten Ausbruchs auf der arabischen Halbinsel auf. Derzeit sind in Südkorea und China neue Infektionen aufgetreten. Auch in Deutschland hat sich ein 65-jähriger Mann mit den Coronaviren infiziert. Er verstarb kürzlich. Erfahren Sie hier die wichtigsten pflegerelevanten Fakten zum Thema MERS.

Die vermutliche Erregerquelle der Viren sind Dromedare, so derzeit die Meinung der Wissenschaft. Somit steht ein enger Kontakt zu den Tieren oder verwandten Tierprodukten im Verdacht, eine Infektion zu begünstigen. Im Anschluss an eine MERS-Infektion wird das Coronavirus vermutlich mittels Tröpfchen- und Schmierinfektion von Mensch zu Mensch übertragen.

 

Grippeähnliche Symptome mit fatalen Folgen

Nach Infektion beträgt die Inkubationszeit ein bis zwei Wochen. Zunächst sind grippeähnliche Symptome wie Fieber und Husten zu beobachten. Daneben können gastrointestinale Beschwerden z.B. Diarrhoe auftreten. Im Falle eines schweren Verlaufs kann sich eine Pneumonie entwickeln, welche in ein akutes Atemnotsyndrom und Nierenversagen übergehen kann. Die Letalität beträgt ca. 40%.

Wie lange nach Abklingen der Infektion das Risiko einer Übertragung besteht ist derzeit noch nicht geklärt (RKI 2015).

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind vor allem drei Personengruppen besonders gefährdet (BzGA 2015):

  • Personen nach Aufenthalt in den Ländern der arabischen Halbinsel, v.a. nach Kontakt mit Dromedaren

  • Enger Kontakt zu an MERS-erkrankten Personen, v.a. Pflegende

  • Infizierte mit bestehenden Grunderkrankungen und einem allgemein reduzierten Immunsystem z.B. Diabetes, chronische Lungen- oder Nierenerkrankungen

 

Ärztliche und pflegerische Maßnahmen zur Infektionsprophylaxe

Auch bei negativer Reiseanamnese sollen Ärzte eine labordiagnostische Untersuchung der Ursache bei schwerwiegenden Pneumonien oder Atemnotsyndromen durchführen. Hierzu sind Proben aus dem unteren Atemwegstrakt zu entnehmen (Proben aus dem oberen Atemwegstrakt sind nicht ausreichend). Bei Verdachtsfällen oder „Patienten unter Abklärung“ sind vom Personal erweiterte Maßnahmen der Basishygiene mit zusätzlichem Schutz der Atemwege u.a. mit Atemschutzmasken der Klasse FFP2 durchzuführen.

Freiberuflich Pflegende beachten, dass bei folgenden Personen eine Infektion besonders in Betracht gezogen werden muss:

  • Aufenthalt in den Ländern der arabischen Halbinsel

  • Kontakt mit medizinischer Einrichtung in Südkorea

  • Kontakt mit bestätigtem MERS-Fall.

Im Fall einer positiven Reiseanamnese befragen freiberuflich Pflegende und Mediziner ihre Patienten nach ihren Kontakten, um eine potentielle Übertragung zu identifizieren.

Ist die MERS-Infektion wahrscheinlich oder bestätigt sind die strengen Hygienerichtlinien analog zu einer SARS-Infektion einzuhalten (RKI 2003). Diese beinalten u.a.:

  • Isolierung in Einzelunterbringung (ggf. Kohortenisolierung möglich)

  • Besuch auf ein Minimum beschränken

  • Definierter Kreis der Kontaktpersonen in der Patientenversorgung mit weitestgehender Freistellung der Betreuung weiterer Patienten

  • Tragen von Atemschutzmaske, Schutzkittel, Kopfhaube, Handschuhen, Schutzbrille und wasserfeste Plastik-Einmalschutzkittel bei Arbeiten am Patienten

  • Tägliche Scheuer-/Wischdesinfektion der patientennahen Oberflächen

  • Patientengebundene Verwendung von Medizinprodukten

  • Schlussdesinfektion.

 

Hygiene und Wissen macht den Unterschied

Laut RKI und BzgA besteht in Deutschland zurzeit kein Risiko für die Allgemeinbevölkerung. Die WHO sieht derzeit keine Notwendigkeit einer Reisebeschränkung in die Risikoländer. Bei auftretendem Verdacht, auch nach Ablauf der Inkubationszeit, wird dennoch die Empfehlung ausgesprochen einen Arzt aufzusuchen. Während des Aufenthalts in Risikogebieten soll der Kontakt zu Dromedaren und Erkrankten gemieden werden. Freiberuflich Pflegende informieren und beraten die entsprechenden Risikogruppen zur Vermeidung einer Infektion. Hierzu leiten sie diese auch gezielt zu basishygienischen Maßnahmen z.B. der korrekten Durchführung der Händedesinfektion an.

Freiberuflich Pflegenden stehen für weitere und aktuelle Informationen folgende Informationsportale zur Verfügung:

  • Homepage der World Health Organization zum Thema Coronavirus infection unter: www.who.int/topics/coronavirus_infections/en/

  • Homepage des Robert Koch-Institutes zum Thema MERS (Middle East Respiratory Syndrome) unter:

www.rki.de/DE/Content/InfAZ/M/MERS_Coronavirus/MERS_Coronavirus_node.html

 

Quellen:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) (Hrsg.) (2015) MERS-Coronaviren. Informationen über Krankheitserreger bei Menschen – Hygiene schützt. URL: www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/mers-coronaviren/ (letzter Zugriff: 18.06.2015).

Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2003) Empfehlungen des Robert Koch-Institutes für die Hygienemaßnahmen und Infektionskontrolle bei Patienten mit Schwerem Akutem Respiratorischem Syndrom (SARS). URL: www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Erreger_ausgewaehlt/SARS/SARS_pdf.pdf?__blob=publicationFile (letzter Zugriff: 18.06.2015).

Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2015) Informationen des RKI zu Erkrankungsfällen durch das MERS-Coronavirus. URL: www.rki.de/DE/Content/InfAZ/M/MERS_Coronavirus/MERS-CoV.html (letzter Zugriff. 18.06.2015).

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Generalistische Pflegeausbildung auf dem Vormarsch

Die Weichen für eine gemeinsame Ausbildung in der Pflege sind gestellt. Während optimistische Stimmen eine Novellierung des Pflegeberufegesetzes noch in diesem Jahr erwarten, verstreicht bei anderen noch die aktuelle Legislaturperiode. Derzeit liegt ein vorläufiger Arbeitsentwurf für ein neues Pflegeberufegesetz aus der Feder des Gesundheits- und Familienministeriums vor. Bislang ist von Veränderungen in der Finanzierung und der definitiven Einführung der Generalistik die Rede.

Bereits im März 2012 hat die Bund-Länder-Arbeitsgruppe Weiterentwicklung der Pflegeberufe ein Eckpunktepapier zur Vorbereitung eines neuen Pflegeberufegesetzes vorgelegt. Zentrale Forderungen des Papiers sind eine einheitliche Finanzierung der Pflegeberufe, eine gemeinsame Ausbildung der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege sowie als auch der Altenpflege, eine EU-Kompatibilität der Berufsanerkennungsrichtlinien und eine Forcierung der Vereinheitlichung der akademischen Grundausbildung. Mit erfolgreicher Ausbildung nennen sich die Absolventen, so der vorliegende Arbeitsentwurf des Pflegeberufgesetzes, „Pflegefachmann“ bzw. „Pflegefachfrau“. Mit akademischem Abschluss wird der jeweilige akademische Grad angehangen. Die Dauer der Ausbildung soll weiter drei Jahre dauern.

 

Stimmen für und wider die Generalistik

Während der Bundesverband privater Anbieter soziale Dienste (bpa), aufgrund der Sorge eines Attraktivitätsverlusts der Altenpflege im Rahmen einer gemeinsamen Ausbildung zu riskieren, die Einführung der Generalistik ablehnt, sprechen sich zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus dem Pflegesektor ausdrücklich für die Generalistik aus. Prof. Dr. Frank Weidner, Direktor des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip), führt aus, dass eine zukünftige gemeinsame Ausbildung dem Prinzip des Studiums der Humanmedizin folge. Nach einem Grundstudium folgen in der Pflege wie auch in der Medizin demnach Spezialisierungen wie z.B. Geriatrie oder Pädiatrie.

Prof. Christel Bienstein sieht in der Generalistik eine große Chance. Die Reform ist in ihren Augen unumgänglich. (DPR oJ)

Auch Karl-Josef Laumann, der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patienten sowie Bevollmächtigter für Pflege, spricht sich für eine gemeinsame Ausbildung der Pflegeberufe aus. Nicht zuletzt, da das Lohngefälle zwischen den Berufsgruppen somit ausgeglichen werden könnte. Von den negativen Auswirkungen der Gehaltsschere sind derzeit vor allem die Altenpflegenden betroffen (Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patienten sowie Bevollmächtigter für Pflege 2015).

Carsten Gottschalk, Vorstand des BvfPK e.V., setzt Generalisten nicht mit Experten gleich. Allerdings bietet die generalistische Ausbildung neben den Vorteilen einer vereinfachten europäischen Anerkennung, durch die dann erforderlichen Spezialisierungen und Weiterbildungen ergriffen werden können, ein deutliches Potential für eine klare Positionierung und qualitative Abgrenzung von freiberuflichen Pflegefachkräften. Das Berufegesetz, so Gottschalk, vereinfacht zudem Kommunikation und Zusammenarbeit der Akteure im Gesundheitswesen.

 

Vorläufiger Arbeitsentwurf für ein Pflegeberufegesetz

Derzeit liegt ein vorläufiger Arbeitsentwurf für ein neues Pflegeberufegesetz vor in das einige Akteure im Gesundheitswesen bereits einen Blick werfen konnten (BMFSFJ & BMG 2015).

Der diskutierte Entwurf des Pflegeberufegesetzes beinhaltet neben der generalistischen Pflegeausbildung, festgeschriebene vorbehaltene Aufgaben (DPR 2015). Vorbehaltsaufgaben würden dem Pflegeberuf helfen die durchzuführenden Tätigkeiten besser nach außen abzugrenzen.

Dr. Tobias Viering vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend führte auf dem Kongress Pflege 2015 aus, dass entsprechende Übergangsregelungen Raum für die Veränderung schaffen würden. Zudem sprach er sich für Musterrahmenlehr- und Musterausbildungspläne aus (Viering 2015: 22).

 

Quellen:

Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) & Bundesministerium für Gesundheit (BMG) (2015) Gesetz über den Pflegeberuf (Pflegeberufsgesetz PflBG) – vorläufiger Arbeitsentwurf BMFSFJ/BMG für das Bund-Länder-Gespräch auf Fachebene am 2./3. Juni 2015 – nicht leitungsabgestimmt / nicht ressortabgestimmt. Stand Mai 2015. URL: http://www.dvlab.de/buendnis-altenpflege/Arbeitsentwurf_Pflegeberufsgesetz_BMFSFJ_BMG_Stand_Mai_2015.pdf (letzter Zugriff: 29.06.2015).

Bund-Länder-Arbeitsgruppe Weiterentwicklung der Pflegeberufe (Hrsg.) (2012) Eckpunkte zur Vorbereitung des Entwurfs eines neuen Pflegeberufegesetzes. URL: http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Abteilung3/Pdf-Anlagen/Eckpunkte-pflegeberufegesetz,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf (letzter Zugriff: 16.06.2015)

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patienten sowie Bevollmächtigter für Pflege (Hrsg.) (2015) Studie belegt ungleiche Bezahlung und unfreiwillige Teilzeit in der Altenpflege: Staatssekretär Laumann fordert Konsequenzen. Pressemitteilung Nr. 1. Berlin, 27. Januar 2015. URL: www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Pressemitteilungen/2015/2015_01/150127-1_PM_Laumann_IAB-Studie.pdf (letzter Zugriff: 16.06.2015)

Deutscher Pflegerat e.V. (DPR) (Hrsg.) (2015) Die generalistische Pflegeausbildung steht kurz vor ihrem Ziel. Das ist ein sehr gutes Zeichen für die Pflege. Pressemitteilung vom 05.06.2015. URL: www.deutscher-pflegerat.de/presse/pressemitteilungen/Die%20generalistische%20Pflegeausbildung%20steht%20kurz%20vor%20ihrem%20Ziel.php (letzter Zugriff: 16.06.2015).

Deutscher Pflegerat e.V. (DPR) (Hrsg.) (oJ) Die generalistische Pflegeausbildung. URL: deutscher-pflegerat.de/pflegeberuf/Generalistik.php (letzter Zugriff: 16.06.2015)

Viering Tobias (2015) Neues Pflegeberufegesetz – Stand und Konsequenzen der Reform. Vortrag auf dem Kongress Pflege 2015 gehalten am 30.01.2015. URL: www.gesundheitskongresse.de/berlin/2015/dokumente/praesentationen/Viering-Tobias---Neues-Pflegeberufegesetz.pdf (letzter Zugriff: 16.06.2015).

Generalistische Pflegeausbildung auf dem Vormarsch
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Neue S3-Leitlinie Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung – Teil 2

Im Mai 2015 ist die neue S3-Leitlinie Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung erschienen. Im Rahmen, der von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin vorgelegten Leitlinie, werden die Themen Atemnot, Tumorschmerz, Obstipation, Depression, Kommunikation, Sterbephasen und Versorgungsstrukturen behandelt. Im zweiten Teil erhalten Sie die Informationen zu den Aspekten Depression, Kommunikation, Sterbephasen und Versorgungsstrukturen.

Seit der Gründung des ersten Hospizes 1967 in London durch die Ärztin Dr. Cicely Saunders (St. Christphers’s Hospice) ist die Hospizbewegung nicht abgeebbt. Der Bedarf an palliativer Pflege und Medizin wächst stetig an. Die nun von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin vorgelegte Leitlinie stellt eine Entscheidungshilfe für die Praxis dar, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen mit einer hohen Evidenz beruhen. „Das Ziel dieser Leitlinie ist die bestmögliche Behandlung und Begleitung von Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung. Die hier vorgestellten Empfehlungen und Hintergrundtexte sollen alle an der Behandlung und Begleitung dieser Patienten Beteiligten hierin unterstützen“ (Leitlinien Programm Onkologie 2015a: 7).

 

Depression – ein schwerwiegende Symptomatik

Die S3-Leitlinie empfiehlt zunächst die differentialdiagnostische Zuordnung der Depressionssymptomatik. Dabei wird eine Anpassungsstörung von einer Dysthemie, einer depressiven Episode, einer organischen Störung oder einer Trauerreaktion unterschieden (Leitlinienprogramm Onkologie 2015b: 105).

Pflegende sind dazu angehalten depressive Symptome aktiv zu erfragen, da niedergestimmte Menschen infolge einer Denk- und Antriebsminderung nicht spontan Auskunft über ihre psychische Gesundheit geben (ebd: 119). Pflegende beziehen ihre Informationen neben dem Patienten auch fremdanamnestisch durch Angehörige, da diese ein bislang unvollständiges psychisches Gesamtbild komplettieren können. Während sich die Experten des Leitlinienprogramms Onkologie von einem umfangreichen Assessment-Tool in der Praxis distanzieren, empfehlen sie zugleich das 2 Fragen-Instrument nach Whooley (Whooley 1997):

  1. Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig bedrückt oder hoffnungslos?

  2. Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?

Pflegende beobachten Patienten mit nicht-heilbaren Krebsleiden auf die Hauptsymptome depressive Stimmung, Interessenverluste, Freudlosigkeit, erhöhte Ermüdbarkeit und Antriebsmangel. Daneben gilt es den Zusatzsymptomen Aufmerksamkeit zu schenken wie verminderte Konzentration, reduziertes Selbstwertgefühl, pessimistische Zukunftsperspektiven, Suizidgedanken und verminderter Appetit.

 

Suizidgedanken ernst nehmen

Pflegende sollten als Teil des therapeutischen Teams Suizidgedanken ernst nehmen. Laut einer Studie bekannten sich 14,7% der Patienten mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung und einer Depression zu diesen. 5,6% der Patienten unternahmen einen Suizidversuch (Leitlinienprogramm Onkologie 2015b: 114). Gegebenenfalls ist es in therapeutischer Absicht je nach Situation sinnvoll einen psychiatrischen Experten hinzuzuziehen. Die Therapie folgt je nach Schweregrad der Depression und Prognosestellung der Krebserkrankung unterschiedlichen Mustern, die sich medikamentöser und psychologischer bzw. verhaltenstherapeutischer Maßnahmen bedienen (ebd. 2015b: 116-131).

 

Patientenzentrierte Kommunikation ist unverzichtbar

Die Themen Tod und Sterben sind trotz zunehmender medialer Präsenz keine Tabuthemen mehr. Doch fällt die situative Gesprächsführung im Angesicht eines Sterbefalles schwer.

Die Experten des Leitlinienprogramms Onkologie rücken fünf Bereiche der Kommunikation ins Zentrum:

  1. Grundlagen einer patientenzentrierten Kommunikation. Pflegende begegnen demnach Patienten mit Aufrichtigkeit, Empathie und Wertschätzung. Daneben beachten sie die individuelle Situation der Patienten, deren Bedürfnisse, Sorgen, Ängste und Ressourcen. Ebenso sollen kultur- und religionsgebundene Wertevorstellung berücksichtigt werden. Merkmale der patientenzentrierten Kommunikation sind aktives Zuhören, Belastungen und Informationsbedarfe sensibel eruieren, Paraphrasierung und partizipative Entscheidungsfindung (vgl. ebd. 2015b: 133-136).

  2. Schwerwiegende Änderungen im Krankheitsverlauf besprechen. Eine Aufklärung über eine Verschlechterung des Zustandes hat der Arzt zu führen. Bei der Auseinandersetzung mit der Information ist allerdings das gesamte interdisziplinäre Team gefragt. Der Stand über den Aufklärungsverlauf ist schriftlich zu fixieren, um eine beiläufig ungewollte Aufklärung zu vermeiden. Als Leitfaden kann das SPIKES-Modell von Buckman und Baile herangezogen werden (Baile et al. 2000). (vgl. Leitlinienprogramm Onkologie 2015b: 136-139)

  3. Sterben und Tod thematisieren. „Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung soll frühzeitig und wiederholt die ausdrückliche Bereitschaft vermittelt werden, über das Sterben an der Erkrankung zu sprechen […]“(ebd. 2015b: 139). Pflegende legen dabei Empathie und Gesprächsbereitschaft an den Tag, insbesondere wenn ein Sterbewunsch geäußert wird. Worte wie „Sterben“ und „Tod“ sollen einfühlsam und der Situation angemessen ausgesprochen werden. (vgl. Leitlinienprogramm Onkologie 2015b: 139-140)

  4. Mit Angehörigen kommunizieren. Pflegende sollen Angehörige in ihrer Rolle als Mitbetroffene und Unterstützer wahrnehmen. So kann bspw. ein Familiengespräch initiiert werden, welches zum Erhalt des Informationsflusses und der Entscheidungsfindung v.a. bei kontroversen Meinungen gedacht ist. Minderjährige Kinder haben dabei Unterstützung durch qualifizierte Fachkräfte zu erhalten. (vgl. Leitlinienprogramm Onkologie 2015b: 141-143)

  5. Die Versorgung vorausschauend planen. Unter vorausschauender Versorgungsplanung wir ein systematischer, interprofessionell begleiteter Kommunikations- und Implementierungsprozess verstanden. Dabei werden mehrere hypothetische Szenarien unter Wahrung der Behandlungspräferenz des Patienten besprochen. Schriftliche Dokumente können bei der Auswahl bei einer vorliegenden Angebotsvielfalt behilflich sein. Ggf. ist die Miteinbeziehung eines Vorsorgebevollmächtigten bzw. Betreuers erforderlich. (vgl. Leitlinienprogramm Onkologie 2015b: 144-147)

 

In der Sterbephase begleiten

Krebserkrankungen sind in Deutschland nach Herz- und Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache. Daher ist die Notwendigkeit evidenzbasierten medizinischen und pflegerischen Wissens in der präfinalen Phase nicht zu vernachlässigen. Die Expertengruppe definiert die Sterbephase als die letzten drei bis sieben Tage des Lebens (Leitlinienprogramm Onkologie 2015a: 67).

Ob ein Mensch tatsächlich im Sterben liegt wird anhand folgender Kriterien diagnostiziert (ebd. 69):

  • Veränderte Atmung, Emotions- und Bewusstseinsveränderung

  • Reduzierter Allgemeinzustand und zunehmende Schwäche

  • Veränderungen der Haut, Desorientierung, Interessenverlust bezüglich Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme

  • Intuition an der Behandlung Beteiligter u.a. Pflegende und Angehörige.

Sterben soll, so die Experten, von den an der Behandlung beteiligten Personen als ein natürlicher Teil des Lebens angesehen werden. Von einer Beschleunigung oder einer Verzögerung des Sterbens soll abgesehen werden. Im Mittelpunkt stehen der Patient und seine Angehörige mit ihren Bedürfnissen.

Leiden Patienten in der Sterbephase an Rasselatmung soll keine Flüssigkeit künstlich zugeführt werden. Auch vom Absaugen soll, wenn kein Tracheostoma oder Endotrachealtubus vorliegt, abgesehen werden. Pflegende können geeignete Positionierungsmaßnahmen zur Sekretmobilisation ergreifen oder bei belastender Rasselatmung die Gabe von Anticholinergika forcieren. Xerostomie (Mundtrockenheit) sollte von Pflegenden behandelt werden. Eine Befeuchtung der Mundschleimhaut orientiert sich, z.B. bei der Wahl der Substanz, an den Bedürfnissen des Patienten.

Entgegen der weitläufigen Annahme sollen Maßnahmen zur Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme nur nach sorgfältiger Abwägung erfolgen. Nebenwirkungen einer künstlichen Flüssigkeitsaufnahme sind periphere oder Lungenödeme, eine Verstärkung der Rasselatmung und eine erhöhte patientennahe pflegerische und medizinische Aktivität, die in der Sterbephase häufig nicht erwünscht ist (Leitlinienprogramm Onkologie 2015a: 673-74).

Nach dem Versterben des Patienten gilt es den Angehörigen die Möglichkeit zum Abschied einzuräumen und die jeweiligen kulturellen und religiösen Rituale zu respektieren.

 

Seit der Etablierung der ersten deutschen Palliativstation 1983 in Köln und den ersten stationären Hospizen in Aachen und Recklinghausen, haben sich die Versorgungsstrukturen für Patienten mit nicht-heilbaren Krebserkrankungen deutlich verbessert.

Patienten können nun eine allgemeine Palliativbehandlung z.B. in auf onkologischen Stationen aber auch spezialisierte Behandlung erfahren. Diese spezialisierte Begleitung findet z.B. in palliativmedizinischen Tageskliniken, Tageshospizen oder stationären Hospizen statt. Bei der Auswahl des Versorgungskonzepts sind die Bedürfnisse und Interessen des Patienten zu wahren. Freiberuflich Pflegende informieren sich daher über regionale und überregionale Betreuungsangebote des palliativen Sektors und stellen ihren Patienten die entsprechenden Informationen z.B. im Rahmen von Broschüren zur Verfügung. Freiberuflich Pflegende setzen sich darüber hinaus für die Etablierung einer Trauerkultur in den Einrichtungen des Gesundheitswesens ein, die neben der Begleitung der Angehörigen des Verstorbenen des Patienten auch eine angemessene Bewältigung der Beteiligten des therapeutischen Teams unterstützt.

 

Quellen:

Baile WF et al. (2000) SPIKES – A six step protocol for delivering bad news: application to the patient with cancer. Oncologist 5(4): 302-311.

Deutsche Krebsgesellschaft e.V. (2015) Evidenzbasierte Leitlinie zur palliativmedizinischen Versorgung Krebskranker erschienen. Pressemitteilung. dgpalliativmedizin.de/images/stories/20150511_DGP_PM_S_3_Palliativmedizin.pdf (Zugriff am: 20.05.2015).

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe,

AWMF) (2015a) Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung, Kurzversion 1.0, AWMF-Registernummer: 128/001OL, leitlinienprogrammonkologie.

de/Palliativmedizin.80.0.html (Zugriff am: 20.05.2015).

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF) (2015b) Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung, Langversion 1.0, AWMF-Registernummer: 128/001OL, leitlinienprogrammonkologie. de/Palliativmedizin.80.0.html (Zugriff am: 20.05.2015).

Whooley MA et al. (1997) Case-finding instruments for depression. Two questions are as good as many. J Gen Intern Med 12(7): 439-445.

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Reduzierte Schlafqualität in der Herz- und Thoraxchirurgie

Niederländische Forscher des Erasmus Medical Center in Rotterdam haben die Schlafqualität von Patienten nach einem chirurgischen Eingriff im Herz- und Thoraxbereich untersucht. Das Ergebnis: Patienten klagen in den ersten Tagen nach der Operation über Schlafprobleme. Ursachen hierfür sind Umgebungsfaktoren der Station, das Verhalten der Pflegenden und auch der operative Eingriff an sich. Erstaunlich: Auch noch vier Wochen nach dem Eingriff war die Schlafqualität reduziert.

Die Forscher haben zwischen Januar und Mai 2013 insgesamt 72 Patienten (81% männlich) mit einem Durchschnittsalter von 58 Jahren vor und nach einem chirurgischen Eingriff am Herz- und Thoraxbereich begleitet und sie zu ihrer Schlafqualität befragt. Die Studienteilnehmer beantworteten präoperativ, die drei ersten postoperativen Tage und einen Monat nach der Operation diverse Fragebögen zur Schlafqualität und Schlafstörungen:

  • Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI). Fragebogen zu unterschiedlichen Aspekten des Schlafs z.B. Dauer des Schlafs, Schlafunterbrechungen.

  • Epworth Sleepiness Scale (ESS). Fragebogen zur Ermittlung der Tagesschläfrigkeit (auch im klinischen Kontext).

  • Factors Influencing Sleep Quality (FISQ). Fragebogen zur Ursachenforschung bestehender Schlafstörungen im klinischen Umfeld.

  • Verran-Snyder-Halpern Sleep Scale (VSH). Skala zur Ermittlung der Schlafqualität bei Patienten mit kardio-thorakal-chirurgischen Eingriffen.

Begünstigende Faktoren für eine Störung des Schlafs

Die Forscher identifizierten eine Fülle an Faktoren, die eine Unterbrechung des Nachtschlafs begünstigten. Laut Factors Influencing Sleep Quality (FISQ) sind folgende Faktoren für eine Störung des Schlafs im Krankenhaus ursächlich:

  • Ungemütliche Positionierung im Bett und zugleich nicht in der Lage sein einen Positionierungswechsel durchzuführen

  • Schmerzen

  • Veränderte Einschlafrituale und ein vom häuslichen Umfeld abweichendes Procedere vor dem Zubettgehen sowie als auch die Tatsache nicht in seinem eigenen Bett zu liegen

  • Lärm u.a. verursacht durch Pflegende auf der Station

  • Störungen durch andere Patienten z.B. Husten, Schnarchen

  • Notwendige pflegerisch-medizinische Tätigkeiten, die in der Nacht getätigt werden

Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, das es in der ersten postoperativen Nacht zu den meisten Schlafstörungen kam. Dies ist nicht weiter erstaunlich, da hier ein großer Überwachungs- und Betreuungsbedarf besteht. Neben der regelmäßigen Kontrolle der Vitalzeichen, ist u.a. eine Kontrolle des Wundverbandes und ableitender Wunddrainagen von großer Bedeutung. Die Schlafqualität war hingegen während der dritten postoperativen Nacht am geringsten. Die Ursache hierfür kann nur vage beantwortet werden: Eventuell ist eine Reduktion der Schmerzmittelgabe ursächlich für die reduzierte Schlafqualität.

 

Nach einem Monat ist die Schlafqualität noch immer reduziert

Laut dem Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) war die Schlafqualität selbst nach einem Monat im Vergleich zum präoperativen Status reduziert. Die Patienten klagten so über mehr Schlafstörungen, eine verlängerte Einschlafzeit und einen verringerten Schwung bei der Erledigung von Alltagstätigkeiten. Die subjektive Schlafqualität war selbst 30 Tage postoperativ verschlechtert. Auch gaben die Patienten an einen größeren Bedarf bei der Einnahme von Schlafmedikamenten zu haben.

Was letztendlich ursächlich für die langfristige Reduktion der Schlafqualität ist, so die Forscher, soll in Zukunft weiter untersucht werden. Jedoch wird der Bedarf der Patientengruppe in puncto Beratung zu einer gesunden Schlafhygiene deutlich. Hier kann freiberuflich Pflegenden aufgrund des großen Erfahrungsschatzes in ihrer Praxis ein großer Stellenwert zukommen.

 

Empfehlungen für freiberuflich Pflegende

Freiberuflich Pflegende sollten sich in erster Linie die Tatsache, dass von ihnen ein potentielles Störpotential ausgehen kann, ins Gedächtnis rufen. Ein kardio-thorakaler Eingriff stellt einen drastischen, als lebensbedrohlich empfundenen Einschnitt im Leben eines Menschen dar. Das dadurch auch die Schlafqualität in Mitleidenschaft gezogen wird, ist nur verständlich.

Freiberuflich Pflegende sind gegenüber den Bedürfnissen ihrer Patienten aufmerksam, um dadurch den Schlaf, welcher eine enorme Bedeutung für die Erholung und Genesung hat, positiv zu beeinflussen.

Hat ein Pflegeempfänger z.B. Probleme eigenständig Lagewechsel durchzuführen, sollte mit ihm gemeinsam eine sinnvolle Lösungsstrategie für die kommende Nacht gesucht werden. Freiberuflich Pflegende sollten pflegerischen und medizinischen Interventionen unter dem Aspekt der potentiellen Lärmauswirkungen Beachtung schenken. So können sie im Team die Diskussion anstoßen welche pflegerisch-medizinischen Maßnahmen im Nachtdienst tatsächlich durchgeführt werden müssen und welches Lärm- bzw. Störpotential von ihnen ausgeht. Ferner können diese Interventionen dahingehend verändert werden, sodass der Nachtschlaf der Patienten weniger gestört wird und damit an Qualität gewinnt.

 

Quelle:

Pröpper J, van Valen R, van Domburg RT, Brunott M, Bogers AJJC (2015) Quality of Sleep at the Ward after Cardiothoraric Surgery. Open Journal of Nursing 5: 529-537.

Reduzierte Schlafqualität in der Herz- und Thoraxchirurgie
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