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Entbürokratisierung der Pflegedokumentation –Nutzen für die Freiberuflichkeit

 

Ein unnötiger bürokratischer Aufwand raubt sinnvolle Pflegezeit. Dies ist ein Sachverhalt den unlängst auch die Politik erkannt hat und seit geraumer Zeit zu optimieren versucht. Hier erfahren Sie welche Schritte bereits unternommen wurden, welche zu erwarten sind und welche Bedeutung eine Umstellung des Dokumentationssystems für die Freiberuflichkeit in der Pflege hat.

Im vergangenen Jahr wurde bereits der Abschlussbericht zur Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation unter der Federführung des Bundesministeriums für Gesundheit, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V. und des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e.V. vorgestellt. Bis Mitte Juni wurden insgesamt 650 von den Verbänden der Einrichtungsträger benannte Experten von der ehemaligen Ombudsfrau zur Entbürokratisierung in der Pflege Elisabeth Beikirch zum neuen Dokumentationssystem geschult. Diese sollen in Zukunft als Multiplikatoren bei der Informationsweitergabe und Schulung zum neuen Dokumentationssystem fungieren.

Zwischen Mai und Juli hat Karl-Josef Laumann, der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten sowie Bevollmächtigter für Pflege, gemeinsam mit Elisabeth Beikirch seine Entbürokratisierungstour durch Deutschland gehalten. Insgesamt 15 Veranstaltungen standen auf seinem Programm, welche von fast 5.000 Teilnehmern besucht wurden.

Paradigmenwechsel – kein „neues Formular“

 

Das Struktur-Modell und die darin enthaltene Strukturierte Informationserfassung (SIS) bilden fachlich-inhaltlich eine Einheit. Mit Einführung des neuen Dokumentationssystems wird somit nicht ein „neues Formular“ hinzugefügt, sondern vielmehr ein Paradigmenwechsel unternommen, der auf einem Pflegeprozess mit vier Schritten beruht.

So findet eine initiale strukturierte Informationssammlung zum einen aus Sicht des Patienten und zum anderen aus der Perspektive professionell Pflegender statt. Im Anschluss daran werden die Maßnahmen unter Berücksichtigung der individuellen Ressourcen und Bedürfnisse geplant. Während behandlungspflegerische Maßnahmen, die durch einen Arzt angeordnet wurden einem Durchführungsnachweis unterliegen, wird im Berichteblatt, dem sogenannten Verlauf, lediglich eine Abweichung von der Maßnahmenplanung dokumentiert. Der Prozess schließt mit einer Evaluation, welche sowohl von den Pflegenden als auch vom Qualitätsmanagement erfolgt.

 

Nutzen für die Freiberuflichkeit

 

Die neue Dokumentation bringt Vorteile für die Freiberuflichkeit mit sich. Häufig wird in der sozialgerichtlichen Rechtsprechung darauf hingewiesen, dass sich die Honorarkraft in der Pflege den vorgegeben Bedingungen des Auftraggebers anpassen müsse und nicht entscheidend den Betriebsablauf beeinflussen könne.

Der BvfPk sieht durch die Einführung der neuen Art der Dokumentation, in dem kein Fragenkatalog abgearbeitet wird und kein Kreuze gesetzt, sondern im Freitext die Anamnese, Durchführung und Evaluation beschrieben werden, eine große Chance für Honorarkäfte den Pflegealltag ganz entscheidend mitzubestimmen und zu beeinflussen. Der Betriebsablauf, also die Pflege der Pflegeempfänger, orientiert sich an den von den freiberuflich Pflegenden getätigten Beobachtungen und folgt daher auch deren spezifischen und individuellen Pflegeplanungen.

Die freiberuflichen Honorarpflegekräfte haben basierend auf jahrzehntelanger Berufserfahrung  und dem damit erworbenen Fachwissen, welches durch regelmäßige, eigenständig durchgeführte Fort- und Weiterbildung immer auf dem neuesten pflegewissenschaftlichen Stand gehalten wird, einen entscheidenden Vorteil, um den  Pflegealltag zu beeinflussen.

Der BvfPK begrüßt daher die Novellierung des Pflegedokumentationssystems.

 

Quellen:

Bundesministerium für Gesundheit (BMG) (2015) Entbürokratisierung in der Pflege „Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation in der ambulanten und stationären Langzeitpflege.“. URL: www.bmg.bund.de/themen/pflege/entbuerokratisierung-in-der-pflege.html (letzter Zugriff: 22.07.2015).

Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V. (BAGFW), Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) (2014) Projekt „Praktische Anwendung des Strukturmodells – Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation in der ambulanten und stationären Langzeitpflege“. Abschlussbericht. Berlin / Witten.  URL: www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Downloads/E/Entbuerokratisierung/Abschlussbericht_und_Anlagen__fin20140415_sicher.pdf (letzter Zugriff: 22.07.2015).

IGES Institut (Hrsg.) (2015) Ein-STEP. Einführung des Strukturmodells zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation. https://www.ein-step.de/ (letzter Zugriff: 22.07.2015).

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HIV/AIDS: Freiberuflich Pflegenden sind bedeutende Säule in der Beratung

 

Das HI-Virus (Human-Immunodeficiency Virus) ist eine ernstzunehmende Infektionserkrankung, die im späteren Stadium zu AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome) führen kann. Die Anzahl der HIV-Infektionen wird als meldepflichtige Infektionskrankheit nach § 7 Abs. 3 IfSG Meldepflichtige Nachweise von Krankheitserregern jährlich erfasst. Erfahren Sie  hier alles über die aktuellen Trends und frischen Sie das notwendige professionelle Fachwissen in der Freiberuflichkeit als Pflegende / Pflegender auf.

 

Wurden 2013 noch 3.288 Neudiagnosen gestellt, stieg die Anzahl der mutmaßlichen HIV-Neuinfektionen 2014 um 7% auf 3.525 an. Der Anstieg lässt sich auch auf eine verbesserte Datenqualität bei der Erhebung der Neudiagnosen zurückführen, sodass nicht unverhohlen der Teufel an die Wand gemalt werden muss.

Männer haben in der Altersgruppe von 25 bis 29 Jahren das größte Risiko sich mit HIV zu infizieren (Inzidenz: 18 pro 100.000 Einwohner), Frauen hingegen in der Altersgruppe von 30 bis 34 Jahren (Inzidenz: 6,1 pro 100.000 Einwohner). Anhand der Zahlen ist auch ersichtlich, dass sich Männer deutlich häufiger als Frauen infizieren.

1.904 der 2014 erhobenen HIV-Neudiagnosen fielen auf die Transmissionsgruppe MSM (Männer, die mit Männern Geschlechtsverkehr haben). In dieser Gruppe ist im Gegensatz zum Vorjahr ein Anstieg um 9% zu verzeichnen. Damit rangiert die MSM-Gruppe mit 68% an der Spitze der Neuinfektionen, gefolgt von Infektionen infolge heterosexuellen Geschlechtsverkehrs (28,8%) und Konsumenten intravenös verabreichter Drogen (4%).  

Im Jahr 2014 hat sich in der Berufsgruppe der Gesundheitsberufe ein Arzt infolge einer Nadelstichverletzung mit dem HI-Virus infiziert. Dies geht aus der Meldung gegenüber dem RKI hervor.

Im Gegensatz zur gesetzlich verankerten Meldeplicht einer Neuinfektion mit HIV, besteht für AIDS lediglich eine freiwillige Zusammentragung durch die behandelnden Mediziner in einem AIDS-Fallregister. „Das AIDS-Fallregister liefert auch heute noch wichtige Daten, vor allem zu den noch bestehenden Defiziten bei der Erkennung, Betreuung und Behandlung von HIV-Infektionen“ (RKI 2015: 248). Dennoch werden nur ca. 50% der Fälle erfasst. Deswegen ruft das RKI auch Behandler in den Gesundheitsberufen zu einer vermehrten Informationsweitergabe auf, sodass infizierte Personen von den epidemiologisch gewonnen Erkenntnissen profitieren können.

Freiberuflich Pflegenden kommt bedeutende Beratungsposition zu

Freiberuflich Pflegende stellen eine wichtige Säule in der Beratung gefährdeter Personengruppe und HIV-infizierter Personen dar. Im Fokus der Beratung steht neben den prominentesten Hauptrisikogruppen von MSM über Personen, die ungeschützten Geschlechtsverkehr betreiben, bis zu i.v. Drogenabhängigen auch die Allgemeinbevölkerung. Eckpunkte der Beratung stellen Übertragungswege, Präventionsmöglichkeiten und etwaige Behandlungsstrategien dar.

Nach einer HIV-Neuinfektion sind sich freiberuflich Pflegende der noch immer trotz zahlreicher Kampagnen vorherrschenden Stigmatisierung bewusst und verweisen an fachkundige Mediziner, Psychologen, Beratungsstellen und Selbsthilfenetzwerke bzw. –gruppen, die eine medizinische und psychologische Betreuung und Begleitung sicherstellen.

Freiberuflich Pflegende berücksichtigen bei Pflege HIV-infizierter Personen in Abhängigkeit vom Stadium folgende pflegerischen Maßnahmen:

  • Stadium 1: Patienten leiden in der ersten Phase häufig unter einer grippeähnlichen  Symptomatik, was auf eine rasante Vermehrung der HI-Viren bei gleichzeitigem Absterben der T-Helferzellen zurückzuführen ist.
  • Stadium 2: Das zweite Stadium wird auch Latenzphase genannt. Die Pflege im meist symptomfreien ersten Stadium fokussiert neben der Unterstützung der psychischen Bewältigung die Motivation zu einer gesundheitsförderlichen Lebensweise z.B. Verzicht auf Alkohol, Einhaltung der Prinzipien der Schlafhygiene, gesunde ausgewogene Ernährung. Freiberuflich Pflegende verdeutlichen gegenüber ihren Patienten die Bedeutung einer gesunden Lebensführung, welche eine langsam aber stetig voranschreitende Schwächung des Immunsystems abbremst. Freiberuflich Pflegende können zum Ende des Stadiums Symptome wie Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Pilzinfektionen der (Schleim-)Haut und Lymphknotenschwellungen beobachten. Aus den spezifischen Symptomen leiten sich daher Maßnahmen wie z.B. eine spezielle Mundpflege ab.
  • Stadium 3: Im dritten Stadium stellt sich das Vollbild AIDS dar. Freiberuflich Pflegende beobachten ihre Patienten auf die HIV-typischen Erkrankungen z.B. Pneumoncystis-Pneumonie, Kaposi-Sarkom, zerebrale Toxoplasmose oder HIV-Enzephalopathie. Pflegerische Maßnahmen zielen auf einen Infektionsschutz ab, da das angegriffene Immunsystem schnell in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Hygienischen Grundprinzipien kommt daher eine große Bedeutung zu. Gegebenenfalls ist eine protektive Isolation (Schutzisolation) durchzuführen. Freiberuflich Pflegende lassen während der Betreuung und Pflege AIDS-kranker Patienten niemals die psychischen Komponenten aus dem Fokus. Themen wie ein bevorstehender Tod werden sensibel und behutsam mit zugewandter Körpersprache angegangen.

Freiberuflich Pflegende können über das Robert Koch-Institut (RKI) und die Bundeszentrale gesundheitlicher Aufklärung (BZgA) auf weitere Informationen rund um das Thema HIV/AIDS zurückgreifen.

 

Quellen:

Bundesministerium für Gesundheit (BMG) (Hrsg.) (2007) Aktionsplan zur Umsetzung der HIV/AIDS-Bekämpfungsstrategie der Bundesregierung 3.A. URL: www.bmg.bund.de/fileadmin/redaktion/pdf_broschueren/Aktionsplan-HIV_Aktionsplan-HIV-Aids-deutsch.pdf (letzter Zugriff: 22.07.2015).

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (oJ) Prävention von HIV/AIDS und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI). URL: www.bzga.de/themenschwerpunkte/hiv-sti-praevention/ (letzter Zugriff: 22.07.2015).

Robert Koch-Institut (RKI) (Hrsg) (2015) HIV-Diagnosen und AIDS-Erkrankungen in Deutschland. Bericht zur Entwicklung im Jahr 2014 aus dem Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin 6. Juli 2015 / Nr. 27. S. 239-260. URL: www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2015/Ausgaben/27_15.pdf?__blob=publicationFile (letzter Zugriff: 22.07.2015).

HIV / AIDS
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Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege bei chronischen Schmerzen – Kompaktwissen für freiberufliche Pflegefachkräfte

 

Der Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege bei chronischen Schmerzen wurde im April 2015 vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) veröffentlicht. Damit kommt der DNQP dem großen Wunsch der Fachöffentlichkeit einen separaten Expertenstandard für die Pflege bei chronischen Schmerzen aufzuweisen nach. Erfahren Sie mehr über die Inhalte des Expertenstandards und bauen Sie damit Ihre Kompetenzen als freiberuflich Pflegende aus.

Der DNQP verortet das Phänomen Schmerz in einem bio-psycho-sozialen Modell. Schmerz hat daher nicht nur körperliche Veränderungen zur Folge, sondern beeinflusst maßgeblich auch die Psyche und das soziale Umfeld. Freiberuflich Pflegende sind sich dieser Zusammenhänge bewusst und berücksichtigen bei der Auswahl pflegerischer Interventionen stets die wechselseitigen Beziehungen im bio-psycho-sozialen Modell.

 

Eine systematische Erhebung ist von großer Bedeutung

Freiberuflich Pflegende unterscheiden zunächst zwischen akutem und chronischem Schmerz. Hierzu wird ein sogenanntes initiales Assessment durchgeführt, welches im Rahmen der ordinären Pflegeanamnese erhoben wird. Hier liegt der Fokus auf der Schmerzintensität, Schmerzqualität, der Lokalisation des Schmerzes und dessen zeitlichen Verlauf.

Ab einem Zeitraum von drei Monaten gilt das Vorhandensein von Schmerz als chronisch, wobei fließende Übergänge zwischen akutem und chronischem Schmerzempfinden existieren. In erster Linie dienen akute Schmerzen als biologisch sinnvolle Warn- und Schutzfunktion. Chronischer Schmerz ist hingegen als Belastung gekennzeichnet, die teilweise neben ihrer eigentlichen Ursache einen eigenen Krankheitswert besitzt. 

Freiberuflich Pflegende differenzieren ferner zwischen einer stabilen und einer instabilen Schmerzsituation:

  • Stabile Schmerzsituation. Eine Schmerzsituation ist stabil, wenn das subjektive Schmerzempfinden nicht überschritten wird, Funktion und Mobilität erhalten bleibt, Bewältigungsstrategien bekannt sind und unerwünschte Nebenwirkungen durch Therapie oder Komplikationen in Folge der Erkrankung ausbleiben.
  • Instabile Schmerzsituation. Eine Schmerzsituation gilt laut DNQP als instabil, wenn oben genannte Faktoren nicht zutreffen. Freiberuflich Pflegende führen dann eine systematisch differenzierte Schmerzeinschätzung durch. Hier stehen Pflegenden diverse Skalen zur Selbst- und Fremdeinschätzung zur Verfügung. Freiberuflich Pflegende beachten hier Besonderheiten. Bei Patienten mit einer demenziellen Grunderkrankung müssen so z.B. andere Assessments z.B. Beurteilung von Schmerzen bei Demenz (BESD) oder Beobachtungsinstrument für das Schmerzassessment bei alten Menschen mit Demenz (BISAD) verwendet werden.

Freiberuflich Pflegende stoßen im Rahmen ihres Auftrags das Vorhandensein aktueller, zielgruppenspezifischer Assessment- und Dokumentationsmaterialien an, sodass eine systematische Schmerzeinschätzung und Verlaufsbeobachtung erfolgen kann.

Therapeutische Konzepte bei chronischen Schmerzen

Freiberufliche Pflegende verfügen über einen Grundlagenpool an therapeutischen Maßnahmen. Es gilt eine Monotherapie, die weder in einen Behandlungsplan integriert ist noch auf das Wissen des interdisziplinären Teams zurückgreift, zu vermeiden.

Freiberuflich Pflegende können im Rahmen der Multimodalen Schmerztherapie zum Einsatz kommen. Eine multimodale Schmerztherapie umfasst mindestens die Vertretung durch zwei Fachdisziplinen und die Durchführung von mindestens drei aktiven Therapieverfahren z.B. Entspannungsverfahren, Arbeitsplatztraining, Ergotherapie, Kunst- oder Musiktherapie (DNQP 2015: 125-126). Gerade Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson stellt eine approbierte, psychologische Methode der Schmerztherapie dar (DNQP 2015: 149, Schmal 2014: 48-49).

Komplementäre Maßnahmen der Therapie bei chronischen Schmerzen sind Massagen v.a. bei rheumatisch veränderten Händen, Akupunktur v.a. bei neuropathischen Tumorschmerzen, Wärmetherapie v.a. bei rheumatoider Arthritis und Kreuzschmerzen, oder meditative Techniken v.a. bei nicht-spezifischen Nacken- und Rückenschmerzen (DNQP 2015: 150-152).

 

Im Patientenkontakt berücksichtigen freiberuflich Pflegende folgende Punkte (DNQP 2015: 127:

  • Zuversicht signalisieren. Freiberuflich Pflegende geben den Patienten Mut, relativieren aber im Gegenzug hohe Ansprüche und Erwartungen.
  • Transparenz herstellen. Freiberuflich Pflegende geben ihren Patienten Einblick in ihren Behandlungsplan. Dabei werden gleichermaßen pflegerische Maßnahmen im Gespräch erläutert.
  • Psychosoziale Komponenten berücksichtigen. Gemäß dem bio-psycho-sozialen Modell legen freiberufliche Pflegekräfte auch ein Augenmerk auf die psychische Situation z.B. depressive Verstimmung und die soziale z.B. finanzielle Belastung infolge der Therapie.
  • Subjektivität belassen. Freiberuflich Pflegende sind sich der Subjektivität der Schmerzwahrnehmung bewusst. Sie werten nicht und gehen basierend auf der persönlichen Schmerzeinschätzung individuelle auf diese ein.

Freiberuflich Pflegende informieren ihre Patienten zu regionalen und überregionalen Selbsthilfegruppen. Daneben beraten sich freiberuflich Pflegende im interdisziplinären Team zu individuellen aktivierenden Maßnahmen. Entgegen der weitläufigen Meinung, Schonung und Ruhe einer schmerzenden Körperpartie z.B. des Nackens würde zu einer Linderung der Symptomatik führen, ist das Gegenteil der Fall. Gerade eine maßvolle, an dem individuellen Leistungsumfang orientierte Aktivierung z.B. im Rahmen einer physiotherapeutischen Maßnahme reduziert die Symptomatik indem sie u.a. die Muskelstärke fördert.

Medikamentöse Therapie bei chronischen Schmerzen

Freiberuflich Pflegende beachten, dass eine medikamentöse Therapie bei chronischen Schmerzen einer permanenten Evaluation zu unterliegen hat. Ferner unterscheidet sich das medikamentöse Schmerzmanagement bei neuropathischen Schmerzen von nicht- tumorbedingten und tumorbedingten Schmerzen. Diese folgen unterschiedlichen Schemata:

  • Neuropathische Schmerzen: Dworkin et al. 2005
  • Nicht-tumorbedingte chronische Schmerzen z.B. anhand von LONTS (Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht-tumorbedingten Schmerzen): DGSS 2010
  • Tumorbedingte chronische Schmerzen u.a. nach dem WHO-Stufenschema

Freiberuflich Pflegenden kommt bei der Behandlung medikamentöser Nebenwirkungen bei der Opioidtherapie eine große Bedeutung zu, da ca. 30% der Patienten unter den Nebenwirkungen leiden (DNQP 2015: 141).

So wenden selbstständig tätig Pflegende Maßnahmen zur Obstipationsprophylaxe an (Schmal 2015: 431-439). Bei aufkommender Übelkeit ergreifen sie rechtzeitig Maßnahmen zur Reduktion des Unwohlseins z.B. im Rahmen der Aromatherapie.

Zudem schenken Freiberufler der Sedierung und Benommenheit zu Beginn der Opioidtherapie Beachtung. Schwindel und eine verstärkte Einschränkung der sensomotorischen Leistungsfähigkeit lassen häufig nach zwei bis drei Wochen der Einnahme nach.

Der Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege bei chronischen Schmerzen folgt dem Ansatz der Ethik-Charta der Deutschen Schmerzgesellschaft in der der Anspruch Betroffener auf eine angemessene Schmerzbehandlung verortet ist. Freiberuflich Pflegende handeln in ihrer Tätigkeit als professionelle Fachkräfte nach diesem Grundsatz.

Bereits 2011 ist der Expertenstandard Schmerzmanagement bei akuten Schmerzen erschienen.

 

Quellen:

Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) (2015) Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege bei chronischen Schmerzen. Osnabrück.

Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. (2014) LONTS. URL: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/145-003k_S3_LONTS_2014-10.pdf (letzter Zugriff: 27.07.2015).

Dworkin et al. (2007) Pharmacologic management of neuropathic pain: evidence-based recommendations. Pain 132(3): 237-251.

Schmal J (2014) Wege zur Entspannung. Progressive Muskelrelaxation. In: Heilberufe 66(2): 48-49.

Schmal J (2015) Ausscheidung. In: Lektorat Pflege (Hrsg.) Pflegen – Grundlagen und Interventionen. Elsevier: München. S. 395-456.

Expertenstandart
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Magnetkrankenhäuser – auch anziehend für Freiberufler?

 

Vom 09. – 10. Juli 2015 fand in Ulm der erste Ulmer Pflegemanagementkongress statt. An beiden Tagen wurde im Rahmen des Veranstaltungsprogramms immer wieder auf die Thematik der Magnetkrankenhäuser eingelenkt. Doch was verbirgt sich hinter der Begrifflichkeit eines Magnetkrankenhauses? Und welche Anziehungskraft üben sie auf freiberufliche Pflegefachkräfte aus? Erfahren Sie es hier.

Ein Magnetkrankenhaus, so die Definition nach Feuchtinger, ist „ein Haus in dem Pflegende mit hoher Fachkompetenz exzellente Patientenergebnisse erzielen und die Pflegenden selbst eine große Zufriedenheit und eine geringe Fluktuation aufweisen“ (Feuchtinger 2014a: 4).

Magnetkrankenhäuser verfolgen zum einen das Ziel mit einem bestmöglichen Arbeitsumfeld eine Magnetwirkung auf Pflegende und weitere Professionen zu haben. Zum anderen werden optimale Patientenergebnisse angestrebt. Zur Erreichung dieser Ziele zählt neben einer offenen Kommunikation im interdisziplinären Team auch ein angemessener Personalmix zu den Strategien (ebd.).

Die Entwicklung der Magnetkrankenhäuser lässt sich auf den in den 1980er Jahren in den USA grassierenden Pflegenotstand zurückführen. Während einige Krankenhäuser um ihre Existenz bangten, zogen andere weiter ihre Patienten und die Pflegenden wie Magneten an. Die Begrifflichkeit der Magnetkrankenhäuser war geboren. Wissenschaftliche Untersuchungen kristallisierten daraufhin insgesamt fünf Stärken dieser Magnethospitäler heraus, die für den wirtschaftlichen und qualitätsbezogenen Erfolg verantwortlich waren. Das Magnet-Programm und die damit einhergehende Anerkennungsrichtlinien liefen und laufen noch heute unter der Führung des American Nurses Credentialing Center (ANCC).

Die fünf Magnetkräfte (Forces of Magnetism) lauten (vgl. Feuchtinger 2014a: 9-12, Feuchtinger 2014b: SS, Friedrich & Poigné 2012: 73):

  • Transformationale Führung. Führungspersönlichkeiten gelten als stark, mutig und visionär. Sie pflegen einen partizipativen Führungsstil und sind für ihre Mitarbeiter präsent und zugänglich.
  • Strukturelles Empowerment (Strukturelle Befähigung). Pflegende besitzen eine hohe Autonomie in der direkten Patientenversorgung. Sie beteiligen sich bei Entscheidungen und werden befähigt sich weiterzuentwickeln und einen guten Weg für sich zu finden.
  • Exemplarische Professionelle Praxis (Vorbildliche professionelle Praxis). Pflegende nehmen eine Vorbildfunktion ein. Dies bedeutet u.a. sich stetig weiterzubilden und die praktische Tätigkeit an den neuesten theoretischen Erkenntnissen auszurichten. Pflegende in Magnetkrankenhäusern benötigen außerdem ein umfassendes Pflegerollenverständnis.
  • Neues Wissen, Innovationen, Verbesserungen. Pflegende in Magnetkrankenhäusern nehmen aktiv an der Qualitätsentwicklung und  -sicherung Teil. Zusätzlich sind sie an der Verbreitung aktuellen Wissens interessiert und forcieren Innovationen und Verbesserungen in der Pflegepraxis.
  • Empirische Ergebnisse. Magnetkrankenhäuser erfassen Patienten-, Mitarbeiter-, Organisations- und Kundenoutcomes. Der Fokus dahinter: Die erreichten Ziele können abgebildet werden. Daneben werden die Transparenz und die Vergleichbarkeit erhöht.

Den fünf Magnetkräften liegen 14 einzelne, detailliertere Komponenten zugrunde, die gemeinsam geclustert die geltenden Forces of Magnetism bilden (Friedrich, Poigné 2012: 72).

 

Ein Magnet mit großer Anziehungskraft für Freiberufler?

 

Obwohl es weltweit über 400 Magnetkrankenhäuser gibt, existiert in Europa kein einziges. Gründe hierfür sind zum einen die strengen Aufnahmekriterien des ANCC, die z.B. eine derzeit in Deutschland kaum überwindbare 80% Bachelorhürde vorschreiben. Zum anderen ist das Verfahren teuer und aufwändig (Teigeler 2015). Nichtdestotrotz ist empfehlenswert für die Kliniken sich auf die sogenannte „Magnet-Journey“ (Reise zur Erreichung einer Anerkennung als Magnetkrankenhaus) zu machen und eine Realisierung der fünf Magnetkräfte zu forcieren.

 

Freiberuflich Pflegende können, fernab von der Tatsache in einem Magnetkrankenhaus beschäftigt zu sein, von den positiven Auswirkungen einer Realisierung der Forces of Magnetism für die persönliche pflegerische Praxis profitieren:

  • Anteilnahme an Qualitätsentwicklung und –sicherung
  • Forcierung eines fachkundigen Austauschs innerhalb und außerhalb des interdisziplinären Teams
  • Professionelles Auftreten in der Öffentlichkeit zur Verbesserung des Images der Pflege
  • Förderung der Autonomie in der Pflegepraxis basierend auf aktuellem, wissenschaftlichen Wissen z.B. Expertenstandards
  • Wertschätzender, offener Umgang innerhalb des interdisziplinären Teams
  • Ständige Fort- und Weiterbildung (Stichwort: lebenslanges Lernen) zur Etablierung einer professionellen Haltung und Pflegepraxis
  • Förderung von Strukturen und Prozessen, die eine Qualitätsverbesserung nach sich ziehen

 

Werden die fünf Magnetkräfte auch in der individuellen Pflegepraxis als freiberufliche Pflegefachkraft berücksichtigt, wird damit das persönliche Humankapital gesteigert. Der Kerngedanke der Magnetkrankenhäuser sollte daher eine große Anziehungskraft auf freiberufliche Pflegende haben, um eine Steigerung des Marktwerts nach sich zu ziehen. Ob die Magnetwirkung hingegen so groß ist, dass der europäische Kontinent auf der Suche nach einem der Magnethospitäler verlassen wird, muss jeder freiberuflich Pflegender / jede freiberuflich Pflegende schlussendlich selbst entscheiden.

 

Quellen:

Feuchtinger J (2014a) Lernen am Beispiel: Magnetkrankenhäuser. Vortrag auf dem Symposium Hinterm Horizont geht’s weiter: erleben – erfahren – weitergeben. Robert Bosch Stiftung. Berlin, 12.06.2014. URL: g-plus.org/sites/default/files/3_johanna_feuchtinger.pdf (letzter Zugriff: 15.07.2015).

Feuchtinger J (2014b) Führen im Magnet-Stil. Magnetkrankenhäuser und Führung. Die Schwester Der Pfleger 53(4): 390-393.

Friedrich D, Poigné C (2012) Mitarbeiterbindung – Konzept der Magnethospitäler. In: Bechtel P, Smerdka Arhelger I (Hrsg) (2012) Pflege im Wandel gestalten – Eine Führungsaufgabe. Springer Berlin Heidelberg. S. 69-77.

Teigeler B im Interview mit Maucher H (2015) „Wir wollen für das Konzept begeistern“. Magnetkrankenhäuser. Die Schwester Der Pfleger 54(3): 80-82.

 

Magnetkrankenhäuser
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