Gesundheit fördern Pflege stärken Qualität sichern
Gesundheit fördern     Pflege stärken     Qualität sichern

Deutsche Studie: Naturheilverfahren wirken sich positiv auf Pflegeempfänger und Pflegende aus

 

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Kohortenstudie zum Thema Naturheilverfahren in der Pflege, deren Erkenntnisse am 23.06.2015 in Berlin vorgestellt worden sind. Die Studie baut auf zwei Pilotstudien auf und wurde vom Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) in Kooperation mit der Charité und dem Kneipp-Bund e.V. unter Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) durchgeführt. Die Studienkoordination oblag Frau Dr. Miriam Ortitz. Erfahren Sie hier alles über die aktuellen Studienergebnisse.

Naturheilverfahren sind eine Bestandteil der komplementären Medizin und demnach Verfahren, die man zusätzlich zu konventionellen Verfahren einsetzt. Sie lassen sich in fünf Säulen nach Kneipp differenzieren:

  1. Ordnungstherapie
  2. Hydrotherapie
  3. Phytotherapie
  4. Bewegungstherapie
  5. Ernährungstherapie

Jedoch sind einige Bestandteile der ordinär komplementären Angebote bereits jetzt Bestandteil des derzeit angewandten Maßnahmenpools und werden von daher als integrativ bezeichnet z.B. spielen Elemente der Ernährungs- und Bewegungstherapie eine bedeutende Rolle in der aktuellen Therapie von Krankheitsbildern.

Ergebnisse der Querschnittstudie im Pilotprojekt

Bereits 2011 wurde eine Querschnittstudie durchgeführt. In dieser wurden Daten von 29 Mitarbeitern und 64 Bewohnern von stationären Altenpflegeeinrichtungen erhoben. 89% der Bewohner gaben an, dass sich Kneippanwendungen, v.a. hydrotherapeutische Maßnahmen positiv auf ihr Wohlbefinden auswirkten.

93% der befragten Mitarbeiter wendeten Kneippverfahren auch privat an. 96% sprachen sich allgemein für den Nutzen von Naturheilverfahren für die Gesundheit und das Wohlbefinden aus. 90% der Mitarbeiter gaben an, durch die Anwendung von Kneipp-Verfahren die Beziehung zu ihren Bewohnern verbessert zu haben.

Ergebnisse der qualitativen Studie

Im qualitativen Teil der Pilotstudie wurden mittels einwöchiger ethnographischer Feldaufenthalte in zwei Kneipp-zertifizierten Seniorenwohnheimen und insgesamt 26 leitfadengeführter Interviews Daten zu den subjektiv empfundenen Veränderungen und Ergebnisse nach dreimonatig, andauernder Einführung von Kneipp-Verfahren erhoben.

Ein Ergebnis der Studie ist, dass die Art und Weise der Implementierung der Kneippanwendungen eine große Rolle spielt.

In einer Einrichtung wurden Kneippverfahren durch eine separate Therapeutin durchgeführt, was den Effekt hatte den Nutzen lediglich in enger Kopplung mit der Therapeutin losgelöst vom Alltag zu erfahren.

In der anderen Einrichtung erfolgte eine integrierte Umsetzung im Rahmen der Grundpflege. Die Leistung wurde hier nicht exklusiv an eine Person gebunden. Für die Bewohner wurden u.a. folgende Veränderungspotentiale basierend auf der Implementierung festgehalten: Gewinn an Zuwendung, Zufriedenheit, Abwechslung und Individualität. Die Pflegenden gaben an durch die Anwendung von Kneippverfahren einen größeren Handlungsspielraum zu haben und infolge zufriedener Bewohner einen emotionalen und funktionalen Gewinn zu erleben. Nähere Informationen zu der Pilotstudie finden Sie hier.

Ergebnisse der Kohortenstudie

Ziel der nun durchgeführten Kohortenstudie war es den Nutzen von Kneipp-Anwendungen zu erheben, um damit Aussagen über die Wirksamkeit von naturheilkundlichen Pflegekonzepten zu erhalten. Dazu wurden sieben Kneipp-Pflegeeinrichtungen und sechs Pflegeheime ohne Naturheilverfahren im Rahmen der prospektiv angelegten Studie über einen Zeitraum von 12 Monaten zu den Aspekten Gesundheit/Lebensqualität und Arbeitssituation von Mitarbeitern beobachtet. Daten wurden zu Beginn, nach 6 Monaten und abschließend nach 12 Monate mit Hilfe wissenschaftlich standardisierter Fragebögen erhoben.

Die prägnantesten Ergebnisse:

  • In den Kneipp-Seniorenwohnheimen wurden weniger Bedarfsmedikationen v.a. Laxantien eingesetzt.
  • Herausforderndes Verhalten von Demenzerkrankten lässt sich mutmaßlich mittels Naturheilkundeverfahren reduzieren, was sich wiederrum positiv auf das Stresslevel der Mitarbeiter auswirkt
  • Bei über 30 pflegerischen Anwendungen pro Woche steigt das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Bewohner; unabhängig ob Kneipp- oder konventionelle Einrichtung

Mehr Informationen zu den Ergebnissen können Sie dem Videomitschnitt der Veranstaltung „Natürlich geht das“ vom 23. Juni 2015 in Berlin entnehmen. Diesen finden Sie hier.

Naturheilkundliche und komplementäre pflegerische Angebote, so das Zentrum für Qualität in der Pflege, werden in Zukunft in der Altenpflege zunehmend an Bedeutung gewinnen. Freiberuflich Pflegende sind demnach dazu angehalten sich in Zukunft vermehrt damit auseinanderzusetzen, da der damit vergrößerte Handlungsspielraum sich auch begünstigend auf die Autonomie als Freiberufler in der Pflege auswirken.

Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat im Juni 2015 einen Themenflyer mit dem Titel „Natürliche Heilmittel und Anwendungen für pflegebedürftige Menschen“ herausgebracht, der wissenschaftlich fundierte Praxishinweise für den Pflegealltag enthält. Diesen finden Sie hier.

Quellen

Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie. Charité Universitätsmedizin Berlin (Hrsg.) (o.J.) Kurzfassung Abschlussbericht Pilotstudie Teil A – Quantitative Querschnittstudie. URL: www.zqp.de/upload/content.000/id00143/attachment01.pdf (letzter Zugriff: 25.08.2015).

Institut für Sozialanthropologie der Universität Berlin (o.J.) Kurzfassung Abschlussbericht Pilotstudie Teil B – Qualitative Studie. URL: www.zqp.de/upload/content.000/id00143/attachment02.pdf (letzter Zugriff: 25.08.2015).

ZQP Zentrum für Qualität in der Pflege (Hrsg.) (2015) Natürliche Heilmittel und Anwendungen für pflegebedürftige Menschen. Praxishinweise für den Pflegealltag 1.A. Berlin. URL: www.zqp.de/upload/content.000/id00479/attachment01.pdf (letzter Zugriff: 25.08.2015).

Komplementäre Pflege
Wissen_Komplementäre_Pflege.pdf
PDF-Dokument [68.2 KB]

Bundesverband freiberuflicher Pflegefachkräfte e.V.
Theodor-Heuss-Allee 112
60486 Frankfurt

E-Mail: info@bvfpk.de

Kontakt:

 

Telefon: 069 - 66 77 41 - 197

Fax: 069 - 66 77 41 - 198

Bankverbindung:

 

Frankfurter Sparkasse

Ktnr. 0200500821

Blz.   50050201

IBAN DE36 5005 0201 0200 5008 21

BIC HELADEF1822

NEWSLETTER

einfach bestellen:

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Bundesverband freiberuflicher Pflegefachkräfte