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Passgenaue Entlassung betagter Pflegeempfänger – Freiberuflich Pflegende als Schnittstelle im Entlassungsmanagement

Ältere Pflegeempfänger klagen im Entlassungszeitraum über ein Informationsdefizit und fühlen sich nicht immer wie menschliche Geschöpfe sondern eher wie Gegenstände behandelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle norwegische Studie. Hier erfahren Sie neben den Ergebnissen der Studie inwiefern der Expertenstandard Entlassungsmanagement Freiberufler helfen kann eine wichtige Schnittstelle für die Patienten einzunehmen.

Die Studienleiter interviewten sieben Patienten über 67 Jahre nach ihrer Entlassung in die eigene Häuslichkeit, wo sie von einem ambulanten Pflegedienst betreut wurden. Die narrativen Interviews wurden im häuslichen Umfeld durchgeführt und dauerten mindestens eine Stunde. Die Probanden wurden retrospektiv bezüglich positiver und negativer Erfahrungen im Hinblick auf ihre Entlassung befragt. Die transkribierten Interviews wurden phänomenologisch-hermeneutisch ausgewertet.

Ungenügend in Entlassungsplanung involviert

Die Pflegeempfänger gaben an nur wenig Beteiligung im Rahmen des Entlassungsprozesses zu erfahren. So gab es sowohl im häuslichen als auch im stationären Setting, z.B. nur wenig Raum zur Kommunikation zwischen Patient und Pflegenden. Dadurch verloren sie an Stabilität und waren sich darüber hinaus bezüglich ihres gesundheitlichen Zustands unsicher. Bedürfnisse und Sorgen, so die Befragten, wurden kaum beachtet.

In Bezug auf Medikamentenumstellungen bzw. Neuansetzungen fühlten sie sich nicht ausreichend beraten, sodass Fragen unbeantwortet blieben. Die befragten Pflegeempfänger gaben an,  sich alleine gelassen gefühlt zu haben.

Im ambulanten Bereich wurden von den Pflegenden vordergründig die neuen Diagnosen und die Veränderungen nach dem Krankenhausaufenthalt beachtet. Die reine Erfahrung im Krankenhaus gewesen zu sein, blieb mit den entsprechenden positiven und negativen Erlebnissen und den daraus resultierenden Beratungs- und Bewältigungsaspekten unberücksichtigt. Die Befragten litten unter einer zu voreiligen Entlassung, welche sie zumeist überforderte. Waren zu viele Personen an dem Entlassungsprozess beteiligt, gingen Informationen verloren, was die Unsicherheit auf Seite der älteren Pflegeempfänger erhöhte.

 

Bewältigungsprozess im Zuge der Entlassung erhöht die Vulnerabilität

Die Befragten gaben an sich in Zeiten einer Entlassung verletzlich zu fühlen. Dies lag mitunter an dem Bewältigungsprozess, der durch eine Gesundheitseinbuße oder eine krankhafte Veränderung angestoßen wurde. Beantragte und zeitnah nutzbare Hilfsmittel wie z.B. ein Rollstuhl oder ein spezielles Pflegebett erleichterten die Bewältigung eines physischen oder psychischen Leistungsfähigkeitsabstrichs.

Die Autoren der Studie fordern im Rahmen der Entlassungsplanung die Perspektive des Patienten einzunehmen, um damit die empfundene Komplexität zu verstehen und dementsprechend zu handeln. Damit greifen Hvalvik und Dale den Grundgedanken des Expertenstandards Entlassungsmanagement in der Pflege des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) auf. Laut Expertenstandard ist es wichtig die Perspektive des Patienten wahrzunehmen

Expertenstandard Entlassungsmanagement - Freiberuflich Pflegende als bedeutende Schnittstelle

Ziel des Expertenstandards Entlassungsmanagements in der Pflege, der seit 2009 in der ersten aktualisierten Auflage vorliegt ist: „Jeder Patient mit einem erhöhten Risiko poststationärer Versorgungsprobleme und einem daraus resultierenden weiter andauernden Pflege- und Unterstützungsbedarf erhält ein individuelles Entlassungsmanagement zur Sicherung einer kontinuierlichen bedarfsgerechten Versorgung“ (DNQP 2009: 25).

Ein gelungenes Entlassungsmanagement beginnt dabei bereits bei der Aufnahme. Im Rahmen eines Anamnesegesprächs kann ein etwaiges poststationäres Versorgungsdefizit rechtzeitig erkannt und angegangen werden. Freiberuflich Pflegende führen daher bei allen Patienten eine aktuelle systematische Einschätzung des poststationären Versorgungs- und Unterstützungsbedarfs durch. Dazu können sie sich diverser Assessments wie z.B. dem Barthel-Index bedienen.

Nachfolgend liegt es in der Verantwortung der freiberuflichen Pflegefachkraft bei denen ihnen zugeteilten Patienten eine individuelle Entlassungsplanung zu erstellen und eine bevorstehende Entlassung zeitnah zu koordinieren und zu steuern. Die bedarfsgerechte poststationäre Versorgung wird dem Pflegeempfänger und dem gesamten interdisziplinären Team transparent gemacht. Freiberuflich Pflegende lassen darüber hinaus ihren Patienten bzw. dessen Angehörigen bedarfsgerechte Informationen, Beratung und Schulung um Risiken und veränderte Versorgungs- und Pflegeerfordernisse bewältigen zu können, zukommen. Ggf. kann hierbei auf einen bestehenden Pool an Informationen und Strukturen der Station bzw. des Hauses zurückgegriffen werden.

Transparenz und Partizipation im Entlassungsprozess

Mit Transparenz des Entlassungstermins und des zu erwartenden Unterstützungs- und Versorgungsbedarf sowohl im Team als auch beim Pflegeempfänger sind auch die notwendigen Hilfsmittel beantragt. Spätestens 24h vor der anvisierten Entlassung führen freiberuflich Pflegende noch eine Überprüfung durch, um eine reibungslose Entlassung zu gewährleisten. Müssen noch Nachjustierungen erfolgen, kann dieser Zeitraum dafür genutzt werden.

Die Experten des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege empfehlen eine Überprüfung der erfolgten Versorgungsleistung vorzunehmen. Hier können sich Freiberufler informieren, ob alle Maßnahmen erfolgreich umgesetzt worden sind und ob noch ein Informationsbedarf besteht. Die Erhebung kann im Rahmen eines 48h nach der Entlassung stattfindenden Telefoninterviews vorgenommen werden.

Freiberufliche Pflegende berücksichtigen die Empfehlungen des Expertenstandards Entlassungsmanagements in der Pflege, um die in der norwegischen Studie erhobenen negativen Erfahrungen im Rahmen einer Entlassung zu vermeiden.

Quellen:

DNQP Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (2004) Expertenstandard Entlassungsmanagement in der Pflege. Entwicklung – Konsentierung – Implementierung. Osnabrück.

DNQP Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (2009) Expertenstandard Entlassungsmanagement in der Pflege. 1. Aktualisierung einschließlich Kommentierung und Literaturstudie. Osnabrück.

Hvalvik S, Dale B (2015) The Transition from Hospital to Home: Older People’s Experiences. Open Journal of Nursing, 5, 622-631. doi: 10.4236/ojn.2015.57066.

 

 

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