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Newsletter September 2015

Volle Qualität voraus -  Personalisiertes Qualitätsmanagement für freiberuflich Pflegende

Der Gesetzgeber trifft im SGB V und im SGB XI Aussagen inwiefern Qualitätsmanagement die Tätigkeit als freiberufliche Pflegefachkraft beeinflusst. Neben einem kurzen Überblick erfahren Sie hier worauf Sie diesbezüglich zu achten haben und inwiefern Sie zur Optimierung ihrer persönlichen Qualität sich an den allgemeinen Instrumenten zur Optimierung der Qualität bedienen können. Mit diesem Wind in den Segeln heißt es „Volle Qualität voraus!“

Die Definition von Qualität geht auf den lateinischen Begriff „qualitas“ zurück und kann mit „Eigenschaft“ übersetzt werden. Qualität entspricht nach DIN ISO dem Grad in dem eine Gesamtheit von Merkmalen einer Einheit, zuvor festgelegter Erfordernisse entspricht (Ertl-Wagner et al. 2013: 2). Pflegequalität ist der „Grad der Übereinstimmung zwischen der tatsächlich geleisteten Pflege und deren bestehenden Erwartungen an die Pflegeleistung“ (Seitz 2015: 88).

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für das Qualitätsmanagement gehen auf die Vorgaben zur Qualitätssicherung der Sozialgesetzbücher, im speziellen SGB V Krankenversicherungsgesetz und SGB XI Pflegeversicherungsgesetz zurück.

Anforderungen an das Qualitätsmanagement nach SGB V

Im Krankenversicherungsrecht (SGB V) gibt es keine spezifischen Regelungen für die Pflege sondern vielmehr für die behandelnde, stationäre Institution i.d.R. Krankenhäuser, Reha-Kliniken und Arztpraxen. Freiberufliche Pflege ist aber im Rahmen der Qualitätssicherung indirekt angesprochen, da alle pflegerische Maßnahmen, Dienstleistungen eines Krankenhauses sind.

Laut § 135a SGB V Verpflichtung zur Qualitätssicherung müssen freiberuflich Pflegende als Dienstleister in einer stationären Pflegeeinrichtung ihr Handeln am aktuellen Stand  wissenschaftlicher Erkenntnissen ausrichten. Daneben sind alle Leistungserbringer, demzufolge auch Freiberufler zur Qualitätssicherung verpflichtet. Eine Qualitätssicherung ist eine Überprüfung ob alle Maßnahmen des Qualitätsmanagements und sämtliche Abläufe den vorgeschriebenen Vorgaben entsprechen. Diese kann intern aber auch extern z.B. im Rahmen einer Zertifizierung erfolgen.

 

 

Anforderungen an das Qualitätsmanagement nach SGB XI

 

Im Pflegeversicherungsgesetz (SGB XI) werden explizite Rahmenbedingungen für das Qualitätsmanagement in der Pflege formuliert. Es gilt für ambulante und stationäre Institutionen gleichsam. (vgl. Seitz 2015: 87-88, Dangel & Weidlich 2014: 63-64, BMJV o.J. b)

Laut § 113a SGB XI Expertenstandards zur Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität in der Pflege sind freiberuflich Pflegende ebenso wie Pflegende, die sich in einem Angestelltenverhältnis befinden, zur Umsetzung der Expertenstandards in der Pflege verpflichtet.

Freiberuflich Pflegende sind daneben dazu verpflichtet an Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Qualitätsprüfung mitzuwirken. Werden so bspw. ungünstige Rahmenbedingungen, die eine laut Gesetzgeber verbindliche Umsetzung der Expertenstandards verhindert, identifiziert, müssen diese Informationen an die Vertragspartner weitergeleitet werden.

 

Personalisiertes Qualitätsmanagement - Instrumente gezielt zur persönlichen Optimierung nutzen

 

Freiberuflich Pflegende können sich ähnlich einer stationären Einrichtung diverser Instrumente zur Optimierung der Qualität bedienen. Mithilfe personalisierten Qualitätsmanagements wird die eigene Tätigkeit als Freiberufler und das damit verbundene Selbst- und Fremdbild optimiert.

Nachfolgend finden sich diverse Ansätze um das persönliche Qualitätsmanagement zu verbessern und zu ergänzen:

  • Konzeption eines individuellen Pflegeleitbilds. Ein Pflegeleitbild informiert über Werte, Ziele und Prioritäten. Es gibt dabei Freiberuflern, Auftragsgebern und auch Pflegeempfängern Orientierung. Ein Pflegeleitbild kann, zum einen Bestandteil im Kundenkontakt z.B. im Rahmen eines Kontraktgesprächs, zum anderen Fundament der Tätigkeit als Freiberufler sein. Eine Veröffentlichung auf der privaten Homepage hilft darüber hinaus interessierten Neukunden bei der Orientierung.
  • Benchmarking. Unter Benchmarking wird normalerweise eine Methode verstanden, um Abteilungen oder Stationen, mit dem Ziel voneinander zu lernen, untereinander zu vergleichen. Der Vergleich findet an zuvor festgelegten Kriterien statt. Freiberufler können sich so z.B. in einem Tandem oder einer größeren Gruppe untereinander vernetzen und gemeinsam für ihre persönliche Tätigkeit bedeutsame Qualitätskriterien herausfiltern. Zu einem vorab definierten Zeitpunkt wird die Erreichung der Kriterien bewertet. Gemeinsam erfolgt eine Ergebnisbewertung, wobei die Vorteile gegenseitig übernommen und negative Aspekte aussortiert werden.
  • Qualitätszirkel. In einem Qualitätszirkel werden Problemstellungen im interdisziplinären Team aufgedeckt und gelöst. Freiberuflich Pflegende können einen persönlichen Qualitätszirkel durchführen. Dabei betrachten sie einen Aspekt ihrer Tätigkeit aus mehreren Perspektiven z.B. was wäre die medizinische, was die physiotherapeutische, was die betriebswirtschaftliche Sichtweise. Dabei sind die Reflexionsfähigkeit und die Fähigkeit zum multiperspektivischen Denken der Freiberufler gefragt.
  • Fort- und Weiterbildung. Fort- und Weiterbildung stellt eine bedeutende Säule im Leben eines Freiberuflers da. Die in höchstem Maße eigenverantwortliche Pflicht sein Handeln am aktuellen Stand pflegewissenschaftlicher Erkenntnisse auszurichten, ist nicht nur vom Gesetzgeber gefordert sondern auch unabdingbares Merkmal des professionellen Selbstverständnisses.
  • Beschwerdemanagement. Das Instrument des Beschwerdemanagements dient dem professionellen Umgang mit Beschwerden. Freiberuflich Pflegenden ist daher an einem wahrhaftigen Feedback gelegen, um ihre persönlichen Kompetenzen stetig weiter auszubauen und die Zufriedenheit der Pflegeempfänger, der Teammitglieder und der Auftraggeber zu erreichen. Freiberufler können dazu bspw. auf ihrer Homepage eine Möglichkeit zur anonymen Rückmeldung geben. In regelmäßigen Abständen gilt es das eingegangene Feedback zu analysieren und Schlüsse zu ziehen. Mithilfe des Beschwerdemanagements wird nach außen die Fähigkeit zum kritischen und reflexiven Denken demonstriert, was wiederrum einen positiven Effekt auf das persönliche Image und auch auf die Berufsgruppe der freiberuflichen Pflegefachkräfte hat.

Freiberuflich Pflegende sind bemüht ein Höchstmaß an Professionalität mitunter durch eine permanente und prozesshafte Optimierung der Qualität zu erreichen.

 

Quellen:

BMJV Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (Hrsg.) (o.J. a) Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V). Gesetzliche Krankenversicherung. URL: www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/sgb_5/gesamt.pdf (letzter Zugriff: 24.08.2015).

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (Hrsg.) (o.J. b) Sozialgesetzbuch (SGB) - Elftes Buch (XI) - Soziale Pflegeversicherung. URL: www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/sgb_11/gesamt.pdf (letzter Zugriff: 24.08.2015).

Dangel B, Weidlich U (2014) Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement: Regelungen, Instrumente und Verfahren. In: Lektorat Pflege (Hrsg.) Pflege heute 6.A. München: Urban & Fischer / Elsevier, S. 61-74

Ertl-Wagner B, Steinbrucker S, Wagner BC (2013) Qualitätsmanagement und Zertifizierung. Praktische Umsetzung in Krankenhäusern, Reha-Kliniken, stationären Pflegeeinrichtungen. 2.A. Berlin, Heidelberg: Springer.

Seitz AM  (2015) Organisation der Pflegearbeit. In: Lektorat Pflege (Hrsg.) Pflegen. Grundlage und Interventionen. München: Urban & Fischer / Elsevier, S. 69-93.

 

 

Selbstmanagement Qualität
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Deutsche Studie: Naturheilverfahren wirken sich positiv auf Pflegeempfänger und Pflegende aus

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Kohortenstudie zum Thema Naturheilverfahren in der Pflege, deren Erkenntnisse am 23.06.2015 in Berlin vorgestellt worden sind. Die Studie baut auf zwei Pilotstudien auf und wurde vom Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) in Kooperation mit der Charité und dem Kneipp-Bund e.V. unter Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) durchgeführt. Die Studienkoordination oblag Frau Dr. Miriam Ortitz. Erfahren Sie hier alles über die aktuellen Studienergebnisse.

Naturheilverfahren sind eine Bestandteil der komplementären Medizin und demnach Verfahren, die man zusätzlich zu konventionellen Verfahren einsetzt. Sie lassen sich in fünf Säulen nach Kneipp differenzieren:

  1. Ordnungstherapie
  2. Hydrotherapie
  3. Phytotherapie
  4. Bewegungstherapie
  5. Ernährungstherapie

Jedoch sind einige Bestandteile der ordinär komplementären Angebote bereits jetzt Bestandteil des derzeit angewandten Maßnahmenpools und werden von daher als integrativ bezeichnet z.B. spielen Elemente der Ernährungs- und Bewegungstherapie eine bedeutende Rolle in der aktuellen Therapie von Krankheitsbildern.

Ergebnisse der Querschnittstudie im Pilotprojekt

Bereits 2011 wurde eine Querschnittstudie durchgeführt. In dieser wurden Daten von 29 Mitarbeitern und 64 Bewohnern von stationären Altenpflegeeinrichtungen erhoben. 89% der Bewohner gaben an, dass sich Kneippanwendungen, v.a. hydrotherapeutische Maßnahmen positiv auf ihr Wohlbefinden auswirkten.

93% der befragten Mitarbeiter wendeten Kneippverfahren auch privat an. 96% sprachen sich allgemein für den Nutzen von Naturheilverfahren für die Gesundheit und das Wohlbefinden aus. 90% der Mitarbeiter gaben an, durch die Anwendung von Kneipp-Verfahren die Beziehung zu ihren Bewohnern verbessert zu haben.

Ergebnisse der qualitativen Studie

Im qualitativen Teil der Pilotstudie wurden mittels einwöchiger ethnographischer Feldaufenthalte in zwei Kneipp-zertifizierten Seniorenwohnheimen und insgesamt 26 leitfadengeführter Interviews Daten zu den subjektiv empfundenen Veränderungen und Ergebnisse nach dreimonatig, andauernder Einführung von Kneipp-Verfahren erhoben.

Ein Ergebnis der Studie ist, dass die Art und Weise der Implementierung der Kneippanwendungen eine große Rolle spielt.

In einer Einrichtung wurden Kneippverfahren durch eine separate Therapeutin durchgeführt, was den Effekt hatte den Nutzen lediglich in enger Kopplung mit der Therapeutin losgelöst vom Alltag zu erfahren.

In der anderen Einrichtung erfolgte eine integrierte Umsetzung im Rahmen der Grundpflege. Die Leistung wurde hier nicht exklusiv an eine Person gebunden. Für die Bewohner wurden u.a. folgende Veränderungspotentiale basierend auf der Implementierung festgehalten: Gewinn an Zuwendung, Zufriedenheit, Abwechslung und Individualität. Die Pflegenden gaben an durch die Anwendung von Kneippverfahren einen größeren Handlungsspielraum zu haben und infolge zufriedener Bewohner einen emotionalen und funktionalen Gewinn zu erleben. Nähere Informationen zu der Pilotstudie finden Sie hier.

Ergebnisse der Kohortenstudie

Ziel der nun durchgeführten Kohortenstudie war es den Nutzen von Kneipp-Anwendungen zu erheben, um damit Aussagen über die Wirksamkeit von naturheilkundlichen Pflegekonzepten zu erhalten. Dazu wurden sieben Kneipp-Pflegeeinrichtungen und sechs Pflegeheime ohne Naturheilverfahren im Rahmen der prospektiv angelegten Studie über einen Zeitraum von 12 Monaten zu den Aspekten Gesundheit/Lebensqualität und Arbeitssituation von Mitarbeitern beobachtet. Daten wurden zu Beginn, nach 6 Monaten und abschließend nach 12 Monate mit Hilfe wissenschaftlich standardisierter Fragebögen erhoben.

Die prägnantesten Ergebnisse:

  • In den Kneipp-Seniorenwohnheimen wurden weniger Bedarfsmedikationen v.a. Laxantien eingesetzt.
  • Herausforderndes Verhalten von Demenzerkrankten lässt sich mutmaßlich mittels Naturheilkundeverfahren reduzieren, was sich wiederrum positiv auf das Stresslevel der Mitarbeiter auswirkt
  • Bei über 30 pflegerischen Anwendungen pro Woche steigt das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Bewohner; unabhängig ob Kneipp- oder konventionelle Einrichtung

Mehr Informationen zu den Ergebnissen können Sie dem Videomitschnitt der Veranstaltung „Natürlich geht das“ vom 23. Juni 2015 in Berlin entnehmen. Diesen finden Sie hier.

Naturheilkundliche und komplementäre pflegerische Angebote, so das Zentrum für Qualität in der Pflege, werden in Zukunft in der Altenpflege zunehmend an Bedeutung gewinnen. Freiberuflich Pflegende sind demnach dazu angehalten sich in Zukunft vermehrt damit auseinanderzusetzen, da der damit vergrößerte Handlungsspielraum sich auch begünstigend auf die Autonomie als Freiberufler in der Pflege auswirken.

Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat im Juni 2015 einen Themenflyer mit dem Titel „Natürliche Heilmittel und Anwendungen für pflegebedürftige Menschen“ herausgebracht, der wissenschaftlich fundierte Praxishinweise für den Pflegealltag enthält. Diesen finden Sie hier.

Quellen

Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie. Charité Universitätsmedizin Berlin (Hrsg.) (o.J.) Kurzfassung Abschlussbericht Pilotstudie Teil A – Quantitative Querschnittstudie. URL: www.zqp.de/upload/content.000/id00143/attachment01.pdf (letzter Zugriff: 25.08.2015).

Institut für Sozialanthropologie der Universität Berlin (o.J.) Kurzfassung Abschlussbericht Pilotstudie Teil B – Qualitative Studie. URL: www.zqp.de/upload/content.000/id00143/attachment02.pdf (letzter Zugriff: 25.08.2015).

ZQP Zentrum für Qualität in der Pflege (Hrsg.) (2015) Natürliche Heilmittel und Anwendungen für pflegebedürftige Menschen. Praxishinweise für den Pflegealltag 1.A. Berlin. URL: www.zqp.de/upload/content.000/id00479/attachment01.pdf (letzter Zugriff: 25.08.2015).

Deutsche Studie: Naturheilverfahren wirken sich positiv auf Pflegeempfänger und Pflegende aus

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Kohortenstudie zum Thema Naturheilverfahren in der Pflege, deren Erkenntnisse am 23.06.2015 in Berlin vorgestellt worden sind. Die Studie baut auf zwei Pilotstudien auf und wurde vom Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) in Kooperation mit der Charité und dem Kneipp-Bund e.V. unter Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) durchgeführt. Die Studienkoordination oblag Frau Dr. Miriam Ortitz. Erfahren Sie hier alles über die aktuellen Studienergebnisse.

Naturheilverfahren sind eine Bestandteil der komplementären Medizin und demnach Verfahren, die man zusätzlich zu konventionellen Verfahren einsetzt. Sie lassen sich in fünf Säulen nach Kneipp differenzieren:

  1. Ordnungstherapie
  2. Hydrotherapie
  3. Phytotherapie
  4. Bewegungstherapie
  5. Ernährungstherapie

Jedoch sind einige Bestandteile der ordinär komplementären Angebote bereits jetzt Bestandteil des derzeit angewandten Maßnahmenpools und werden von daher als integrativ bezeichnet z.B. spielen Elemente der Ernährungs- und Bewegungstherapie eine bedeutende Rolle in der aktuellen Therapie von Krankheitsbildern.

Ergebnisse der Querschnittstudie im Pilotprojekt

Bereits 2011 wurde eine Querschnittstudie durchgeführt. In dieser wurden Daten von 29 Mitarbeitern und 64 Bewohnern von stationären Altenpflegeeinrichtungen erhoben. 89% der Bewohner gaben an, dass sich Kneippanwendungen, v.a. hydrotherapeutische Maßnahmen positiv auf ihr Wohlbefinden auswirkten.

93% der befragten Mitarbeiter wendeten Kneippverfahren auch privat an. 96% sprachen sich allgemein für den Nutzen von Naturheilverfahren für die Gesundheit und das Wohlbefinden aus. 90% der Mitarbeiter gaben an, durch die Anwendung von Kneipp-Verfahren die Beziehung zu ihren Bewohnern verbessert zu haben.

Ergebnisse der qualitativen Studie

Im qualitativen Teil der Pilotstudie wurden mittels einwöchiger ethnographischer Feldaufenthalte in zwei Kneipp-zertifizierten Seniorenwohnheimen und insgesamt 26 leitfadengeführter Interviews Daten zu den subjektiv empfundenen Veränderungen und Ergebnisse nach dreimonatig, andauernder Einführung von Kneipp-Verfahren erhoben.

Ein Ergebnis der Studie ist, dass die Art und Weise der Implementierung der Kneippanwendungen eine große Rolle spielt.

In einer Einrichtung wurden Kneippverfahren durch eine separate Therapeutin durchgeführt, was den Effekt hatte den Nutzen lediglich in enger Kopplung mit der Therapeutin losgelöst vom Alltag zu erfahren.

In der anderen Einrichtung erfolgte eine integrierte Umsetzung im Rahmen der Grundpflege. Die Leistung wurde hier nicht exklusiv an eine Person gebunden. Für die Bewohner wurden u.a. folgende Veränderungspotentiale basierend auf der Implementierung festgehalten: Gewinn an Zuwendung, Zufriedenheit, Abwechslung und Individualität. Die Pflegenden gaben an durch die Anwendung von Kneippverfahren einen größeren Handlungsspielraum zu haben und infolge zufriedener Bewohner einen emotionalen und funktionalen Gewinn zu erleben. Nähere Informationen zu der Pilotstudie finden Sie hier.

Ergebnisse der Kohortenstudie

Ziel der nun durchgeführten Kohortenstudie war es den Nutzen von Kneipp-Anwendungen zu erheben, um damit Aussagen über die Wirksamkeit von naturheilkundlichen Pflegekonzepten zu erhalten. Dazu wurden sieben Kneipp-Pflegeeinrichtungen und sechs Pflegeheime ohne Naturheilverfahren im Rahmen der prospektiv angelegten Studie über einen Zeitraum von 12 Monaten zu den Aspekten Gesundheit/Lebensqualität und Arbeitssituation von Mitarbeitern beobachtet. Daten wurden zu Beginn, nach 6 Monaten und abschließend nach 12 Monate mit Hilfe wissenschaftlich standardisierter Fragebögen erhoben.

Die prägnantesten Ergebnisse:

  • In den Kneipp-Seniorenwohnheimen wurden weniger Bedarfsmedikationen v.a. Laxantien eingesetzt.
  • Herausforderndes Verhalten von Demenzerkrankten lässt sich mutmaßlich mittels Naturheilkundeverfahren reduzieren, was sich wiederrum positiv auf das Stresslevel der Mitarbeiter auswirkt
  • Bei über 30 pflegerischen Anwendungen pro Woche steigt das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Bewohner; unabhängig ob Kneipp- oder konventionelle Einrichtung

Mehr Informationen zu den Ergebnissen können Sie dem Videomitschnitt der Veranstaltung „Natürlich geht das“ vom 23. Juni 2015 in Berlin entnehmen. Diesen finden Sie hier.

Naturheilkundliche und komplementäre pflegerische Angebote, so das Zentrum für Qualität in der Pflege, werden in Zukunft in der Altenpflege zunehmend an Bedeutung gewinnen. Freiberuflich Pflegende sind demnach dazu angehalten sich in Zukunft vermehrt damit auseinanderzusetzen, da der damit vergrößerte Handlungsspielraum sich auch begünstigend auf die Autonomie als Freiberufler in der Pflege auswirken.

Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat im Juni 2015 einen Themenflyer mit dem Titel „Natürliche Heilmittel und Anwendungen für pflegebedürftige Menschen“ herausgebracht, der wissenschaftlich fundierte Praxishinweise für den Pflegealltag enthält. Diesen finden Sie hier.

Quellen

Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie. Charité Universitätsmedizin Berlin (Hrsg.) (o.J.) Kurzfassung Abschlussbericht Pilotstudie Teil A – Quantitative Querschnittstudie. URL: www.zqp.de/upload/content.000/id00143/attachment01.pdf (letzter Zugriff: 25.08.2015).

Institut für Sozialanthropologie der Universität Berlin (o.J.) Kurzfassung Abschlussbericht Pilotstudie Teil B – Qualitative Studie. URL: www.zqp.de/upload/content.000/id00143/attachment02.pdf (letzter Zugriff: 25.08.2015).

ZQP Zentrum für Qualität in der Pflege (Hrsg.) (2015) Natürliche Heilmittel und Anwendungen für pflegebedürftige Menschen. Praxishinweise für den Pflegealltag 1.A. Berlin. URL: www.zqp.de/upload/content.000/id00479/attachment01.pdf (letzter Zugriff: 25.08.2015).

Komplementäre Pflege - Was ist das ?
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Strukturiere Informationssammlung (SIS) – Schnellüberblick für Freiberufler

Ein unnötiger bürokratischer Aufwand raubt sinnvolle Pflegezeit. Aus diesem Grund wird das Struktur-Modell als neues Dokumentationssystem unter Zuhilfenahme von ca. 650 Experten, die als Multiplikatoren ausgebildet wurden, in zahlreichen ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen eingeführt. Die Strukturierte Informationssammlung bildet hierbei den ersten Baustein des neuen Modells, welches mit dem Neuen Begutachtungsassessment zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit (NBA) kompatibel sein soll. Freiberufler erhalten hier einen Schnellüberblick über den ersten Baustein des Struktur-Modells: die Strukturierte Informationssammlung (SIS).

Das Struktur-Modell und die darin enthaltene Strukturierte Informationserfassung (SIS) bilden fachlich-inhaltlich eine Einheit. Mit Einführung des neuen Dokumentationssystems wird somit nicht ein „neues Formular“ hinzugefügt, sondern vielmehr ein Paradigmenwechsel unternommen, der auf einem Pflegeprozess mit vier Schritten beruht.

Daher ist es unabdingbar die nachfolgenden Informationen nicht als in sich abgeschlossen zu betrachten, sondern vielmehr in das Konstrukt des neuen Modells einzuflechten.

Das Strukturmodell folgt im ambulanten und im stationären Setting einer voneinander geringfügig abweichenden Struktur.

 

Lebens- und Pflegesituation aus Sicht des Pflegeempfängers festhalten

 

Die Strukturierte Informationssammlung findet im Rahmen des Erstgesprächs statt. Eine Aktualisierung der Inhalte erfolgt im Rahmen einer Pflegevisite oder einer Fallbesprechung. Bedeutsam ist es bei der Anamnese zunächst die Lebens- und Pflegesituation aus Sicht des Klienten festzuhalten. Dabei werden zum einen individuellen Bedürfnissen, Wünschen und Bedarfen Raum gegeben, zum anderen werden diese in Bezug auf die zu beziehende Hilfe- und Unterstützungsleistung schriftlich festgehalten. Bei der Durchführung gilt es den Erzählfluss des Pflegeempfängers möglichst nicht durch fachliche Fragen zu unterbrechen, sodass dieser ungehindert seine Bedürfnisse und Wünsche preisgeben kann. Dieser erste Schritt dient auch dem besseren Kennenlernen. Der Redefluss kann mit den Leitfragen: „Was bewegt Sie im Augenblick?“, „Was brauchen Sie?“ oder „Was können wir für Sie tun?“ angeregt werden.

Ist der Patient z.B. aufgrund einer kognitiven oder physischen Einschränkung nicht in der Lage das Gespräch selbst zu führen, können freiberufliche Pflegekräfte auch auf Angehörige und Betreuer des Pflegeempfängers zurückgreifen.

 

Professioneller Filter – Abwägen und Einschätzen

 

Bereits im Laufe der Beschreibungen und Erzählungen des Pflegeempfängers erfassen freiberufliche Pflegefachkräfte sowohl die Pflege- und Betreuungssituation als auch potentielle Risikofaktoren und Pflegephänomene, die sich negativ auf die Pflegesituation auswirken können z.B. Sturz- und Dekubitusrisiko, Pflegephänomen Schmerz. Nachfolgend wird eine professionelle und systematische Einschätzung des Pflegebedarfs von den Pflegenden durchgeführt. Freiberufler teilen mit ihren Pflegeempfängern bereits zu diesem Zeitpunkt ihre Einschätzung und beraten diese.

Im Rahmen des professionellen Filters findet eine fachliche Einschätzung des Pflegepersonals auf Basis von fünf wissenschaftsbasierten Themenfeldern statt:

  1. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Fähigkeit zur zeitlichen, persönlichen und örtlichen Orientierung sowie die Interaktion und das Erkennen in Bezug auf Risiken und Gefahren
  • Herausforderndes Verhalten wie Umherwandern oder aggressives Verhalten
  1. Mobilität und Beweglichkeit
  • Fähigkeit sich frei und selbständig inner- und außerhalb des häuslichen Umfelds bzw. auf Station zu bewegen
  • Teilhabe an Alltagswelt
  1. Krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen
  • Pflegerischer Unterstützungsbedarf in Folge einer gesundheitlichen Belastung oder Einschränkung
  • Bewältigung und Kompensation von Risiken und Phänomen wie z.B. Schmerz oder Inkontinenz
  1. Selbstversorgung
  • Fähigkeit Tätigkeiten wie z.B. Körperpflege, Ankleiden, Essen und Trinken usw. durchzuführen
  • Fachliche und ethische Konflikte z.B. persönliche Bedürfnisse sind nicht mit denen professioneller Pflege kongruent, diese gilt es schriftlich zu dokumentieren
  1. Leben in sozialen Beziehungen
  • Fähigkeit der selbstständigen Lebensführung im näheren häuslichen Umfeld
  • Unterstützungsmöglichkeiten z.B. Angehörige als Ressource des sozialen Netzwerks

Im ambulanten Bereich werden diese fünf Themen durch den Aspekt Haushaltsführung, im stationären durch Wohnen/Häuslichkeit ergänzt.

  • Aspekt Haushaltsführung
    • Fähigkeit den eigenen Haushalt selbständig zu organisieren und zu meistern
    • Konflikt- und Aushandlungssituationen z.B. Eingriffe in eigene Häuslichkeit zur Erhöhung der Sicherheit
  • Aspekt Wohnen / Häuslichkeit
    • Fähigkeit die persönlichen Bedürfnisse in Bezug auf Wohnen in der stationären Einrichtung umzusetzen
    • Anpassungsbedarf der unmittelbaren Lebensumwelt zur Verbesserung der Gesundheitssituation z.B. Orientierungshilfen bei Demenz

 

Neben den insgesamt sechs Themenbereichen steht mit der Strukturierten Informationssammlung eine Matrix zur Risikoeinschätzung zur Verfügung.

Mittels Ankreuzen wird ein schneller Überblick über die Bereiche Dekubitus, Sturz, Inkontinenz, Schmerz und Ernährung gegeben. Diese Themenbereiche decken sich mit den Themen der Expertenstandards des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP).

„Im Risikomanagement der neuen Pflegedokumentation erfolgt die ‚Besinnung‘ auf die fachliche Kompetenz von Pflegefachkräften. Zunächst wird aus dem Blickwinkel von Fachlichkeit und beruflichem Erfahrungswissen die Situation der pflegebedürftigen Person beurteilt, bevor eine Entscheidung zur Notwendigkeit einer vertieften Einschätzung (z. B. Differentialassessment, intensive Beobachtungsphase) eingeleitet oder eine Skala ausgefüllt wird“ BMG 2015: 32).

Damit ist die Kompetenz und fachliche Expertise freiberuflich Pflegender gefordert, um eine solide Risikoeinschätzung vorzunehmen.

Für die Strukturierte Informationssammlung stehen für den ambulanten Sektor und für die stationäre Pflege unterschiedliche Dokumentationshilfen zur Verfügung.

 

 

Verständigung als Fundament der Maßnahmenplanung

 

Freiberuflich Pflegende treten mit ihren Pflegeempfängern bzw. mit deren Angehörigen oder Betreuern nach der Erhebung aus Sicht des Patienten und der systematischen Einschätzung der professionell Pflegenden in einen Dialog dessen Ziel es ist den individuellen Pflege- und Betreuungsbedarf zu ermitteln und diesen als Grundlage für das weitere Vorgehen zu verwenden. Dieser Schritt darf nicht übergangen werden, da er die Autonomie und die sich daraus bedingende Compliance des Pflegeempfängers erhöht.

Ersichtlich wird die Bedeutung der Verständigung zwischen Pflegefachkraft und Pflegeempfänger bereits in der Kopfzeile des Anamnesedokuments. Hier unterzeichnen sowohl Pflegende als auch Empfänger den gemeinsam ausgefüllten Bogen, der als Basis für das weitere prozesshafte Vorgehen herangezogen wird.

Die Strukturierte Informationssammlung stellt die erste bedeutende Säule des Struktur-Modells dar. Freiberuflich Pflegende berufen sich bei der Umsetzung auf ihre jahrelange fachliche Expertise und die aktuellsten pflegewissenschaftlichen Erkenntnisse.

 

Quellen:

Bundesministerium für Gesundheit (BMG) (Hrsg.) (2015) Handlungsanleitung zur praktischen Anwendung des Strukturmodells (ambulant/stationär), der integrierten Strukturierten Informationssammlung (SIS) mit der Matrix zur Risikoeinschätzung, der Maßnahmenplanung und der Evaluation sowie mit Hinweisen zum Handlungsbedarf auf der betrieblichen Ebene. Berlin. URL: www.ein-step.de/fileadmin/content/documents/Handlungsanleitung_zum_neuen_Strukturmodell.pdf (letzter Zugriff: 24.08.2015).

IGES Institut (Hrsg.) (2015) Ein-STEP. Einführung des Strukturmodells zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation. www.ein-step.de/ (letzter Zugriff: 24.08.2015).

SIS = Strukturierte Informationssammlung
Aktuell_Strukturierte_Informationssammlu[...]
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Passgenaue Entlassung betagter Pflegeempfänger –

Freiberuflich Pflegende als Schnittstelle im Entlassungsmanagement

Ältere Pflegeempfänger klagen im Entlassungszeitraum über ein Informationsdefizit und fühlen sich nicht immer wie menschliche Geschöpfe sondern eher wie Gegenstände behandelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle norwegische Studie. Hier erfahren Sie neben den Ergebnissen der Studie inwiefern der Expertenstandard Entlassungsmanagement Freiberufler helfen kann eine wichtige Schnittstelle für die Patienten einzunehmen.

 

Die Studienleiter interviewten sieben Patienten über 67 Jahre nach ihrer Entlassung in die eigene Häuslichkeit, wo sie von einem ambulanten Pflegedienst betreut wurden. Die narrativen Interviews wurden im häuslichen Umfeld durchgeführt und dauerten mindestens eine Stunde. Die Probanden wurden retrospektiv bezüglich positiver und negativer Erfahrungen im Hinblick auf ihre Entlassung befragt. Die transkribierten Interviews wurden phänomenologisch-hermeneutisch ausgewertet.

 

Ungenügend in Entlassungsplanung involviert

Die Pflegeempfänger gaben an nur wenig Beteiligung im Rahmen des Entlassungsprozesses zu erfahren. So gab es sowohl im häuslichen als auch im stationären Setting, z.B. nur wenig Raum zur Kommunikation zwischen Patient und Pflegenden. Dadurch verloren sie an Stabilität und waren sich darüber hinaus bezüglich ihres gesundheitlichen Zustands unsicher. Bedürfnisse und Sorgen, so die Befragten, wurden kaum beachtet.

In Bezug auf Medikamentenumstellungen bzw. Neuansetzungen fühlten sie sich nicht ausreichend beraten, sodass Fragen unbeantwortet blieben. Die befragten Pflegeempfänger gaben an,  sich alleine gelassen gefühlt zu haben.

Im ambulanten Bereich wurden von den Pflegenden vordergründig die neuen Diagnosen und die Veränderungen nach dem Krankenhausaufenthalt beachtet. Die reine Erfahrung im Krankenhaus gewesen zu sein, blieb mit den entsprechenden positiven und negativen Erlebnissen und den daraus resultierenden Beratungs- und Bewältigungsaspekten unberücksichtigt. Die Befragten litten unter einer zu voreiligen Entlassung, welche sie zumeist überforderte. Waren zu viele Personen an dem Entlassungsprozess beteiligt, gingen Informationen verloren, was die Unsicherheit auf Seite der älteren Pflegeempfänger erhöhte.

 

Bewältigungsprozess im Zuge der Entlassung erhöht die Vulnerabilität

Die Befragten gaben an sich in Zeiten einer Entlassung verletzlich zu fühlen. Dies lag mitunter an dem Bewältigungsprozess, der durch eine Gesundheitseinbuße oder eine krankhafte Veränderung angestoßen wurde. Beantragte und zeitnah nutzbare Hilfsmittel wie z.B. ein Rollstuhl oder ein spezielles Pflegebett erleichterten die Bewältigung eines physischen oder psychischen Leistungsfähigkeitsabstrichs.

Die Autoren der Studie fordern im Rahmen der Entlassungsplanung die Perspektive des Patienten einzunehmen, um damit die empfundene Komplexität zu verstehen und dementsprechend zu handeln. Damit greifen Hvalvik und Dale den Grundgedanken des Expertenstandards Entlassungsmanagement in der Pflege des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) auf. Laut Expertenstandard ist es wichtig die Perspektive des Patienten wahrzunehmen

 

Expertenstandard Entlassungsmanagement - Freiberuflich Pflegende als bedeutende Schnittstelle

Ziel des Expertenstandards Entlassungsmanagements in der Pflege, der seit 2009 in der ersten aktualisierten Auflage vorliegt ist: „Jeder Patient mit einem erhöhten Risiko poststationärer Versorgungsprobleme und einem daraus resultierenden weiter andauernden Pflege- und Unterstützungsbedarf erhält ein individuelles Entlassungsmanagement zur Sicherung einer kontinuierlichen bedarfsgerechten Versorgung“ (DNQP 2009: 25).

Ein gelungenes Entlassungsmanagement beginnt dabei bereits bei der Aufnahme. Im Rahmen eines Anamnesegesprächs kann ein etwaiges poststationäres Versorgungsdefizit rechtzeitig erkannt und angegangen werden. Freiberuflich Pflegende führen daher bei allen Patienten eine aktuelle systematische Einschätzung des poststationären Versorgungs- und Unterstützungsbedarfs durch. Dazu können sie sich diverser Assessments wie z.B. dem Barthel-Index bedienen.

Nachfolgend liegt es in der Verantwortung der freiberuflichen Pflegefachkraft bei denen ihnen zugeteilten Patienten eine individuelle Entlassungsplanung zu erstellen und eine bevorstehende Entlassung zeitnah zu koordinieren und zu steuern. Die bedarfsgerechte poststationäre Versorgung wird dem Pflegeempfänger und dem gesamten interdisziplinären Team transparent gemacht. Freiberuflich Pflegende lassen darüber hinaus ihren Patienten bzw. dessen Angehörigen bedarfsgerechte Informationen, Beratung und Schulung um Risiken und veränderte Versorgungs- und Pflegeerfordernisse bewältigen zu können, zukommen. Ggf. kann hierbei auf einen bestehenden Pool an Informationen und Strukturen der Station bzw. des Hauses zurückgegriffen werden.

 

Transparenz und Partizipation im Entlassungsprozess

Mit Transparenz des Entlassungstermins und des zu erwartenden Unterstützungs- und Versorgungsbedarf sowohl im Team als auch beim Pflegeempfänger sind auch die notwendigen Hilfsmittel beantragt. Spätestens 24h vor der anvisierten Entlassung führen freiberuflich Pflegende noch eine Überprüfung durch, um eine reibungslose Entlassung zu gewährleisten. Müssen noch Nachjustierungen erfolgen, kann dieser Zeitraum dafür genutzt werden.

Die Experten des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege empfehlen eine Überprüfung der erfolgten Versorgungsleistung vorzunehmen. Hier können sich Freiberufler informieren, ob alle Maßnahmen erfolgreich umgesetzt worden sind und ob noch ein Informationsbedarf besteht. Die Erhebung kann im Rahmen eines 48h nach der Entlassung stattfindenden Telefoninterviews vorgenommen werden.

Freiberufliche Pflegende berücksichtigen die Empfehlungen des Expertenstandards Entlassungsmanagements in der Pflege, um die in der norwegischen Studie erhobenen negativen Erfahrungen im Rahmen einer Entlassung zu vermeiden.

Quellen:

DNQP Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (2004) Expertenstandard Entlassungsmanagement in der Pflege. Entwicklung – Konsentierung – Implementierung. Osnabrück.

DNQP Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (2009) Expertenstandard Entlassungsmanagement in der Pflege. 1. Aktualisierung einschließlich Kommentierung und Literaturstudie. Osnabrück.

Hvalvik S, Dale B (2015) The Transition from Hospital to Home: Older People’s Experiences. Open Journal of Nursing, 5, 622-631. doi: 10.4236/ojn.2015.57066.

Entlassungsmanagement
Wissen_Entlassungsmanagement.pdf
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Bundesverband freiberuflicher Pflegefachkräfte e.V.
Theodor-Heuss-Allee 112
60486 Frankfurt

E-Mail: info@bvfpk.de

Kontakt:

 

Telefon: 069 - 66 77 41 - 197

Fax: 069 - 66 77 41 - 198

Bankverbindung:

 

Frankfurter Sparkasse

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