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Prävention und Kontrolle von MRSA-Infektionen: Kompaktwissen für Freiberufler

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) sind die weltweit wichtigsten fakultativ pathogenen multiresistenten Erreger (MRE). Freiberuflich Pflegende erfahren hier was es bezüglich Prävention und Kontrolle der Krankheitserreger zu beachten gilt.

Während genaue Zahlen zur Gesamtinzidenz von MRSA-Infektionen in Deutschland fehlen, sind sich alle Experten in einem Punkt einig: MRSA stellt in allen Einrichtungen des Gesundheitswesens eine hygienische Problemstellung dar, die es zu bewältigen gilt. MRSA-kolonialisierte und infizierte Patienten sind dabei der Hauptweg für die Besiedlung von Gesundheitseinrichtungen. In den medizinischen Einrichtungen sind die Hände der Mediziner und Pflegenden die wichtigsten Übertragungswege. Demnach führt die konsequente Einhaltung und Durchführung der Händedesinfektion zu einer Senkung nosokomialer Infektionen. Dies wurde durch mehrere Studien bewiesen. Daneben senkt eine planmäßige Durchführung von Isolationsmaßnahmen nach korrekter Indikationsstellung die Wahrscheinlichkeit einer MRSA-Übertragung von 1,37-14 auf 0,81-9 (KRINKO 2014: 707).

 

Basishygiene zur Vermeidung und Bekämpfung von MRSA

Freiberufliche Pflegefachkräfte achten zunächst auf eine konsequente Einhaltung der hygienischen Basismaßnahmen. Dazu zählt neben der Händehygiene auch die Reinigung und Desinfektion von Arbeitsflächen und Medizinprodukten, die korrekte Abfall- und Wäscheentsorgung bzw. -wiederaufbereitung und das Ergreifen persönlicher Schutzmaßnahmen z.B. Verwendung von Schutzkleidung zur Vermeidung einer Kontamination der Arbeitskleidung. Es erfolgt eine tägliche Wischdesinfektion der patientennahen Bereiche. Ggf. erstreckt sich die Desinfektion bei Bedarf auch auf weitere Bereiche. Abfall wird am Ende einer Schicht in reißfesten, dichten Säcken entsorgt.

 

Screening zur Früherkennung von MRSA

Ziel eines MRSA-Screenings ist es asymptomatische Träger zu identifizieren, sodass schnellstmöglich hygienische Maßnahmen ergriffen werden können. Dabei werden Abstrichuntersuchungen an zuvor definierten Prädilektionsstellen genommen. Diese sind mindestens beide Nasenvorhöfe, Rachen, vorhandene Wunden, ggf. Perineum und Leiste. Ob bei einem Patienten ein MRSA-Risikoscreening durchgeführt wird, hängt davon ab, ob dieser einer Risikogruppe angehört. Folgende Patientengruppen tragen ein erhöhtes Risiko:

  • Bekannte MRSA Anamnese und Patienten aus Einrichtungen / Gegenden mit großer MRSA-Prävalenz
  • Dialysepatienten
  • Stationärer Krankenhausaufenthalt in den vergangenen 12 Monaten über 3 Tage
  • Berufsgruppen, die in regelmäßigen Kontakt zu Risikogruppen stehen
  • Menschen mit Kontakt zu landwirtschaftlichen Nutztieren
  • Patienten mit Kontakt zu MRSA-Trägern
  • Patienten mit chronischer Pflegebedürftigkeit und Antibiotikatherapie in den vergangenen 6 Monaten oder einem liegenden Katheter

Barrieremaßnahmen zur Vermeidung einer Übertragung von MRSA

MRSA-besiedelte oder –infizierte Patienten werden im Einzelzimmer bzw. in Kohortenisolierung behandelt. Freiberufler beachten dabei die Situation des Patienten und vermeiden durch ihr professionelles Auftreten eine Verminderung der pflegerisch-medizinischen Versorgungsqualität, die auf das Ergreifen einer Isolierungsmaßnahme nachweislich erfolgen kann. Der psychischen Unterstützung isolierter Patienten kommt ein großer Stellenwert zu.

Freiberuflich Pflegende tragen zusätzliche Schutzkleidung bei Patientenkontakt. Die Verwendung der Schutzkleidung ist von Kolonialisierung und damit auch dem Übertragungsweg der MRSA-Erreger abhängig. Die Schutzkleidung wird vor dem Verlassen des Raums abgelegt. Medizin- und Pflegeprodukte werden patientengebunden verwendet. Ein Horten von Materialien im Patientenzimmer wird vermieden.

Freiberuflich Pflegende informieren sobald eine MRSA-Kolonialisierung bestätigt ist das Hygienefachpersonal. Daneben ist es von großer Bedeutung den Patient und die Angehörigen über den korrekten Umgang und das fachgerechte Verhalten zu informieren. Freiberufler leiten MRSA-besiedelte Patienten zur Durchführung der Händedesinfektion an, da hierdurch nachweislich das Übertragungspotential reduziert wird.

 

Durchführung der Dekolonialisierung

Ziel einer Dekolonialisierung ist zum einen eine Verhinderung eines Infekts durch den Keim auf dem Patienten und zum anderen eine Transmission der Erreger.

Es gilt bei jedem Patienten eine Indikation bezüglich des Nutzens einer  Dekolonialisierung zu prüfen. Die Dekolonialisierung erfolgt im Rahmen eines Maßnahmenbündels, der die Sanierung von Nase, Rachen und Haut in Kombination mit Desinfektionsmaßnahmen der Umgebung beinhaltet. Es werden ausschließlich Nasensalben (zumeist über 5-7 Tage, 2-3mal täglich) mit einer ausreichenden Mupirocin-Konzentration für die nasale Sanierung verwendet. Bei Mupirocin-Resistenz finden topische MRSA-wirksame Antibiotika oder Antiseptika Anwendung z.B. Octenidin oder PVP-Jod. Dies wird von der KRINKO empfohlen, obwohl Beweise für den Effekt fehlen. Im Rachen findet ein orales Antiseptikum Anwendung. Für die Dekolonialisierung der Haut werden nachweislich wirksame Präparate aus der VAH-Liste verwendet.

Zu Körperpflege werden Einmalprodukte verwendet, es findet ein täglicher Bettwäschenwechsel statt.

Eine Dekolonialisierung gilt als erfolgreich, wenn drei Abstriche, die an drei aufeinanderfolgenden Tagen genommen wurden, negativ sind. In diesem Fall kann eine bestehende Isolierung aufgehoben werden.

Patiententransport im Krankenhaus

Ist ein Patiententransport z.B. diagnostisch indiziert, beachten freiberuflich Pflegende die Hygieneempfehlungen der KRINKO. So sind die entsprechenden Funktionsabteilungen vorab über die MRSA-Besiedlung zu informieren, sodass diese die entsprechenden Schutzmaßnahmen ergreifen können.

Nach dem Transport gilt es alle Flächen und Gegenstände, die mit dem Patient in Kontakt kamen, zu desinfizieren. Bei reduzierter Compliance des Patienten kann es – wenn möglich - erforderlich sein die Diagnostik im Patientenzimmer durchführen zu lassen.

Hygiene ist das A und O

Freiberuflich Pflegende beachten in ihrer täglichen Praxis die Maßnahmen zur Vermeidung einer MRSA-Infektion oder Transmission. Freiberuflich Pflegende nehmen aufgrund ihres Fachwissen eine herausragende Rolle im Rahmen der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung zur Reduzierung nosokomial erworbener Infektionen ein.

Quellen:

Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2014) Empfehlungen zur Prävention und Kontrolle von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämmen (MRSA) in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen. Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) bei Robert Koch-Institut. In: Bundesgesundheitsbl 2014 57:696–732.

 

 

MRSA - Aktuell
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