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Menschen mit Demenz im Krankenhaus

Infolge des demographischen Wandels und der zunehmenden Lebensspanne zählen Menschen mit Demenz im Krankenhaus bereits heute zum Pflegealltag. In Zukunft wird die Anzahl an Demenz erkrankter Menschen im Krankenhaus allerdings weiter ansteigen. Freiberuflich Pflegende erhalten hier einen Überblick über wesentliche pflegerische Basismaßnahmen in der Versorgung und Betreuung demenziell erkrankter Patienten.

 

Im Rahmen eines Projekts der Diözesan-Arbeitsgemeinschaft der katholischen Krankenhäuser (DiAG) in der Erzdiözese Köln und des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP) unter wissenschaftlicher Begleitung von Prof. Dr. Michael Isfort wurden Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Menschen mit Demenz im Krankenhaus formuliert (DiAG & DIP 2012). Diese werden nachfolgend in Synthese mit den Empfehlungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. und weiterer Studienerkenntnisse kompakt für freiberuflich Pflegende vorgestellt.

 

Pflege bei Demenz

Freiberuflich Pflegende analysieren zu Beginn des Pflegeprozess im Rahmen der Informationssammlung, ob kognitive Defizite für eine Demenz sprechen. Dabei wird eine kognitive Veränderung, die z.B. aufgrund einer Umgebungsveränderung oder eines ursächlichen Krankheitsbilds auftritt, von einer diagnostizierten Demenz unterschieden. Laut Studienergebnissen sind ca. zwei Drittel der Demenzerkrankungen bei Aufnahme ins Krankenhaus unbekannt (Robert Bosch Stifung 2016: 6). Experten empfehlen daher die Anwendung kurzer kognitiver Screening-Tests bei Aufnahme, um Menschen mit Demenz zu identifizieren und ihnen dementsprechend eine dem Krankheitsbild angemessene Pflege zukommen zu lassen. Frau Prof. Dr. Katharina Gröning formulierte im Rahmen eines Modellprojekts zehn Eckpunkte zum „anderen Umgang“ bei Menschen mit Demenz im Krankenhaus (Gröning et al. 2015). Darunter findet sich z.B. (ebd. 18ff):

  • Verzicht auf invasive Diagnosen, Behandlungs- und Pflegetechniken z.B. Bindungs- und Haltephasen mit Bezugspersonen bei als belastend wahrgenommenen Eingriffen einplanen
  • Schaffung eines demenzgerechten Milieus z.B. Verringerung von Wartezeiten, große Gemeinschaftsräume, demenzgerechte Esskultur
  • Anwendung verstehender- und personenzentrierter Ansätze z.B. Validation, Biografiearbeit

In der Kommunikation mit demenziell erkrankten Patienten gilt es u.a. folgende Prinzipien zu beherzigen (vgl. Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. 2017: 10):

  • Freundliche und langsame Kontaktaufnahme
  • Handlungen benennen und erklären
  • Achtsamer und einfühlsamer Kontakt; dabei Ruhe ausstrahlen
  • Blickkontakt (am besten auf Augenhöhe) suchen
  • Deutliche und langsame Sprache mit kurzen und verständlichen Sätzen und Wörtern
  • Bei pflegerischen Maßnahmen Reizüberflutungen vermeiden
  • Prinzipien der Validation

Freiberuflich Pflegende können zur pflegerischen Planung einen Informationsbogen nutzen, der ggf. gemeinsam von Angehörigen und Patient ausgefüllt werden kann. Hier bietet sich z.B. die kostenlose und frei verfügbare Vorlage der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. an (Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. 2016). Dieser dient einer patientenzentrierten, individuellen Pflegeplanung.

 

Strukturelle Handlungsempfehlungen

Aus den Handlungsempfehlungen der DiAG und des DIP gehen Ratschläge zur strukturellen Veränderung der klinischen Situation hervor. Diese können von freiberuflich Pflegenden nur indirekt umgesetzt werden, da sie außerhalb der Regelabläufe eines Auftragsgebers agieren. Allerdings können Sie im Rahmen einer Hinterlassenschaft durch Agieren als leuchtende Vorbilder, wenn auch über Umwege zur Umsetzung der strukturellen Handlungsempfehlungen anstoßen.

 

Aus der Handlungsempfehlung geht ferner hervor, dass Einrichtungen und jeder Mitarbeiter bezüglich der adäquaten Versorgung demenziell erkrankter Menschen eine Standortbestimmung vornehmen sollten. Freiberuflich Pflegende können diese Standortbestimmungen klinikübergreifend vornehmen und so zur Etablierung tragfähiger Strukturen anstoßen. Mithilfe nachfolgender Fragestellungen können Reflexionsprozesse forciert werden (DiAG & DIP 2012: 58ff):

  • Inwieweit wird Wertschätzung im Umgang und in der Kommunikation gelebt?
  • Welche strukturellen Merkmale begünstigen eine wertschätzende Kommunikation bezüglich demenziell erkrankter Patienten (z.B. Fallbesprechungen, Balintgruppen)?
  • Inwieweit wird im Belegungsmanagement das Thema Demenz berücksichtigt?
  • Gelingt der Informationsfluss zwischen den kooperierenden Einrichtungen, sodass Informationslücken vermieden werden?
  • Wird im Rahmen baulicher oder technischer Maßnahmen das Thema Demenz aufgegriffen?
  • Findet das Thema Demenz bei allen beteiligten Dienstleistungen im Klinikalltag Berücksichtigung (z.B. Fingerfood aus der Küche)?
  • Wird der Funktions- oder der Patientenorientierung Vorrang gegeben (d.h. müssen sich Patienten an die Abläufe im Klinikum anpassen oder werden die Strukturen an die Bedürfnisse demenziell erkrankter Patienten angenähert)?
  • Gibt es einen Demenzbeauftragten, der als Ansprechpartner fungiert?
  • In welchem Ausmaß werden Angehöriger demenziell erkrankter Patienten in Abläufe und Entscheidungen einbezogen?
  • In welchem Ausmaß wird das Ehrenamt als Stütze genutzt?

 

Quellen

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. (Hrsg.) (2016) Informationsbogen. Patienten mit einer Demenz im Krankenhaus. URL: www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/broschueren/infobogen_krankenhaus.pdf (letzter Zugriff: 29.04.2017).

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. (Hrsg.) (2017) Patienten mit einer Demenz im Krankenhaus. Begleitheft zum „Informationsbogen für Patienten mit einer Demenz bei Aufnahme ins Krankenhaus“. 5.A. URL: www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/broschueren/patienten_mit_demenz_im_krankenhaus_komplett.pdf (letzter Zugriff: 29.04.2017).

DiAG & DIP (Diözesan-Arbeitsgemeinschaft der katholischen Krankenhäuser & Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V.) (Hrsg.) (2012) Menschen mit Demenz im Krankenhaus Eine Handreichung der interdisziplinären Arbeitsgruppe der Diözesan-Arbeitsgemeinschaft der katholischen Krankenhäuser (DiAG) in der Erzdiözese Köln. URL: www.dip.de/fileadmin/data/pdf/projekte/ Demenz_im_Krankenhaus_Handreichung_Endbericht.pdf (letzter Zugriff: 29.04.2017).

Gröning K, Lagedroste C, Weigel L (2015) Demenz im Krankenhaus Eine Auswertung der Projektstudien zu Demenz im Krankenhaus im Rahmen des Modellprojekts „Familiale Pflege unter den Bedingungen der G-DRG“. URL: https://www.uni-bielefeld.de/erziehungswissenschaft/ag7/ familiale_pflege/materialien/evaluation/Demenzbericht_qualitativ_2015.pdf (letzter Zugriff: 29.04.2017).

Robert Bosch Stiftung GmbH (Hrsg.) (2016) General Hospital Study – GHoSt Zusammenfassung einer repräsentativen Studie zu kognitiven Störungen und Demenz in den Allgemeinkrankenhäusern von Baden-Württemberg und Bayern. URL: www.bosch-stiftung.de/content/language1/downloads/Studie_Demenz_im_Akutkrankenhaus.pdf (letzter Zugriff: 29.04.2017)

Menschen mit Demenz im Krankenhaus
Autor: Jörg Schmal
BVfbPKNewsletter_Demenz_Schmal_Joerg.pdf
PDF-Dokument [174.4 KB]

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