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Alarm fatigue – Patientensicherheit gefährdet

Freiberufliche Pflegende sehen sich insbesondere auf Intensivstationen mit einer Kakophonie von Tönen, Geräuschen und Alarmen konfrontiert. Das Durcheinanderpiepsen der Monitore begleitet dabei häufig die gesamte Schicht – vom Dienstbeginn bis zum Dienstende. Da es sich in 72-99% der Fälle (Sendelbach & Funk 2013) um einen falschen Alarm handelt, laufen Pflegende Gefahr im Angesicht eines Alarms zu resignieren: Ein Gefährdungsmoment für die Patientensicherheit. Nachfolgend erfahren Sie, wie freiberuflich Pflegende, dem entgegensteuern können.

 

Freiberuflich Pflegende setzen sich in ihrer beruflichen Tätigkeit mit diversen Gerätschaften (z.B. Infusionspumpen, Monitore, Beatmungsgeräte etc.) auseinander, welche einen hörbaren Alarm geben können, wenn diese nicht ordnungsgemäß funktionieren oder die Patientensicherheit aufgrund der aufgezeichneten Werte gefährdet scheint.

 

Da ein großer Prozentsatz der Alarme falscher Natur ist bzw. auf keinen patientengefährdenden Moment hinweist, kommt es durch Ignorieren oder eine verzögerte Reaktion auf einen „echten“ Alarm zu einer Patientengefährdung. Laut der Food and Drug Administration (FDA) wurden im Zeitraum zwischen 2005 und 2008  in den USA mehr als 560 mit einem Alarm in Verbindung stehende Todesfälle ermittelt (Ensslin 2014). Für Deutschland fehlen verlässlichen Zahlen, doch führt der im Jahr 2014 von der AOK herausgegebene Krankenhausreport 18.000 Sterbefälle in deutschen Kliniken auf Behandlungsfehler zurück, wozu sich die aufgrund einer Alarm fatigue reduzierte Bereitschaft schnellstmöglich und exakt auf einen Alarm zu reagieren, zählt (Klauber et al. 2014).

 

Ursachen und beeinflussende Faktoren

Freiberuflich Pflegende sollen Ursachen und beeinflussende Faktoren, die in einer Alarm fatigue münden können, identifizieren, um diese langfristig in ihrem beruflichen Handlungsfeld zu beheben (Ensslin 2014, Stokowski 2014):

  • Zu eng eingestellte Alarm-Grenzwerte
  • Alarm-Grenzwerte sind nicht auf den individuellen Patienten eingestellt
  • Falsch bzw. unzureichend angebrachte Elektroden
  • Mangelnde Möglichkeiten z.B. aufgrund struktureller Bedingungen die Alarmquelle zu identifizieren
  • Informations- bzw. Wissensdefizit der Mitarbeiter bezüglich Umgang mit Gerätschaften, deren Einstellung und die korrekte Reaktion
  • Unzureichendes Personal um angemessen auf Alarme zu reagieren

Alarm fatigue reduzieren

Freiberuflich Pflegende sollten in erster Linie das Thema Alarm fatigue auf den Tisch bringen und dieses nicht tabuisieren. Eine gesunde Fehlerkultur ist unumgänglich, um der Thematik offen und erfolgreich zu begegnen. Daneben sollte die Etablierung eines Alarm-Managements angestoßen werden, mithilfe dessen sowohl erfolgreich Alarm-Grenzwerte als auch entsprechende Reaktionen festgehalten werden. Im Team sollten dem Setting angemessene Alarm-Grenzwerte definiert werden.

Moderne Technologien ignorieren kurze Verzögerungen bei der Messung weshalb es auch bei Unter- oder Überschreitung eines Grenzwertes nicht zu einem Alarm kommt (Cvach 2012). So steht prinzipiell auf struktureller Ebene der Gedanke an die Gerätschaften im Sinne der Patientensicherheit zu modernisieren.

 

Zudem sollte der Nutzen eines Alarms hinterfragt werden, sodass diese nur Anwendung finden, wenn sich daraus eine klinische Relevanz ableiten lässt. Die auf der Station verwendeten Geräte sollten regelmäßig auf ordentliche Funktionsfähigkeit geprüft und bei Problemen unverzüglich in Stand gesetzt werden. Ein Protokoll auf dem jegliche Alarme inklusive deren Ursache notiert werden, hilft bei der Identifikation von Ursachen und der Konzeption langfristig tragbarer Konzepte.

 

Freiberuflich Pflegende sollten zudem Sensoren wie selbstklebende Elektroden, die lediglich zu Einmalverwendung vorgesehen sind, ersetzen, da diese austrocknen. Zudem sollte das Hautareal vor dem Anbringen von Elektroden entsprechend vorbereitet werden, damit diese sicher haften bleiben (Sendelbach & Fink 2014).

 

Enslinn (2014) empfiehlt außerdem die Etablierung eines Alarm-Komitees, in welchen u.a. Entscheidungen bezüglich der zu verwendenden Grenzwerte getroffen werden können. In diesen können sich freiberuflich Pflegende auf Basis ihres Fachwissens einbringen. Sendelbach & Funk (2014) führen zudem auf, das ein solches Team interprofessionell  aufzubauen ist, um einen sinnvollen Handlungskatalog mit effektiven Grenzwerten und entsprechenden, reaktiven Maßnahmen zu formulieren.

 

Reflexion und Reaktion

Freiberuflich Pflegende sollten sich selbst im Angesicht der Thematik Alarm fatigue reflektieren und helfen einen solchen Reflexionsprozess in einem bestehenden Team anzustoßen. Es gilt menschliches Fehlverhalten zu identifizieren und zu thematisieren. Dazu zählt:

  • Offen zu Fehlern stehen und diese thematisieren z.B. nicht korrekt eingestellte Alarmsysteme, stumm geschaltete Alarmsysteme
  • Unsicherheiten im Umgang mit Gerätschaften z.B. Einstellen von Grenzwerten, selbstständige Lösung häufiger Fehlerquellen
  • Fehlinterpretation von Alarmen und deren Ursachen bis hin zum Überhören

Alarm fatigue gefährdet die Patientensicherheit. Gemeinsam im Team können freiberuflich Pflegende der Alarm-Müdigkeit allerdings begegnen und basierend auf der der Ursachenidentifikation Setting-spezifische Maßnahmen zur Behebung formulieren.

 

Quellen

Cvach M (2012) Monitor Alarm Fatigue. An Integrative Review. URL: http://s3.amazonaws.com/rdcms-aami/files/production/public/FileDownloads/BIT/JA_alarm_fatigue.pdf (letzter Zugriff: 15.03.2016).

Ensslin PA (2014) Do you hear what I hear? Combating alarm fatigue. American Nurse today 9(11). URL: www.americannursetoday.com/hear-hear-combating-alarm-fatigue/ (letzter Zugriff: 15.03.2016).

Klauber J et al. (2014) Krankenhaus-Report 2014. Schwerpunkt:Patientensicherheit. Schattauer.

Sendelbach S, Funk M (2014) Alarm Fatigue. A Patient Safety Concern. AACN Advanced Critical Care 24(4): 378 – 386. URL: www.aacn.org/WD/CETests/Media/ACC3342.pdf (letzter Zugriff: 15.03.2016).

Stokowski LA (2014) Time to Battle Alarm Fatigue Better Monitoring and Management. URL: www.medscape.com/viewarticle/820738 (letzter Zugriff: 15.03.2016).

 

 

Alarm fatique
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