Gesundheit fördern Pflege stärken Qualität sichern
Gesundheit fördern     Pflege stärken     Qualität sichern

Situation der Pflege in hessischen Akutkrankenhäusern

Im Rahmen eines Gutachtens im Auftrag des Hessischen Sozialministeriums wurde die Situation der Pflege in hessischen Akutkrankenhäusern untersucht. Neben der Projektleitung Dr. Bernhard Braun waren u.a. Prof. Dr. Darmann-Finck vom Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen und Prof. Dr. Klaus Stegmüller von der Hochschule Fulda bei der Erstellung involviert. Freiberuflich Pflegende erhalten hier in aller Kürze einen Einblick in das bereits 2014 erstellte Gutachten.

 

Ziel des Gutachtens war es:

  • erstens die Arbeitssituation Pflegender in hessischen Akutkrankenhäuser zu beschreiben,
  • zweitens die Auswirkungen krankenhausindividueller Faktoren auf die Belastung der Pflegenden und die pflegerische Versorgung der Patienten zu erheben und
  • drittens Schlussfolgerungen aus den Wirkzusammenhängen zu ziehen.

Zur Beantwortung der forschungsleitenden Fragen wurde einen Methodenmix vorgenommen. So wurde eine Literaturrecherche, eine schriftliche standardisierte Befragung von Leitungen und Pflegekräften sowie als auch eine qualitative Feldstudie im Rahmen von Feldbeobachtungen und qualitativen Interviews durchgeführt.

 

Personalzusammensetzung und Ergebnisqualität

Die Forscher verweisen darauf, dass keine verlässlichen Daten aus dem deutschsprachigen Raum vorliegen. Die vielfältigen Studien aus dem angloamerikanischen Raum sind, z.B. aufgrund des unterschiedlichen Bildungswesens, zwar nicht in vollem Umfang übertragbar, zeigen aber auf, welche Faktoren einen positiven Einfluss auf die Ergebnisqualität haben (Braun et al. 2014: 24-25):

  • hoher Anteil von Bachelorabsolventen
  • längere Berufserfahrung
  • geringere Stationsgröße
  • flache Hierarchien
  • gute (interdisziplinäre) Zusammenarbeit
  • Arbeiten im Pflegeorganisationssystem Primary Nursing
  • Gute qualitative und quantitative Personalausstattung in Kombination mit kollegialer Zusammenarbeit, ausgeprägter Führungskompetenz auch im Sinne von spürbarer Unterstützung auf Managementebene

Die oben genannten Faktoren werden insbesondere von Magnetkrankenhäusern forciert, um neben der Ergebnisqualität auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu erhöhen.

 

Anforderungen und pflegerische Qualität

An der quantitativen Befragung der Leitungen haben sich insgesamt 27 Krankenhäuser in Hessen beteiligt. 14 der Häuser befanden sich in öffentlicher Trägerschaft, elf in freigemeinnütziger und zwei in privater.

Bei der quantitativen Befragung der Pflegenden konnten letztendlich 858 Fragebögen ausgewertet werden. 56,1% der Pflegenden arbeiteten auf einer internistischen Station, 38,3% auf einer chirurgischen und 5,6% auf einer geriatrischen. 81,1% der Befragten waren weiblich, 18,9% männlich.

Auf die Frage für wie viele Patienten eine Pflegefachkraft direkt verantwortlich gewesen sei, ergaben sich folgende Angaben:

  • 15% der Befragten waren für bis zu 5 Patienten verantwortlich gewesen
  • 17% der Befragten waren für 6 bis 10 Patienten verantwortlich gewesen
  • 41% der Befragten waren für 11 bis 20 Patienten verantwortlich gewesen
  • 17% der Befragten waren für 21 und mehr Patienten verantwortlich gewesen

Die Pflegenden bewerteten den Aspekt Selbstständigkeit bei der Arbeit neben der Flexibilität des Dienstplans und die Urlaubsplanung auf einer Vierpunkt-Rating-Skala von „sehr schlecht“ über „schlecht“ und „in Ordnung“ bis „sehr gut“ am besten (Braun et al. 2014: 49-51).

 

Unzufriedenheit und Mängel

Bemängelt wurde hingegen das Fehlen von Ruheräumen, die Gehaltshöhe, die Krankheitsregelung z.B. Einspringen bei kurzfristigem Ausfall, die Regelung bei allgemeinem Personalausfall, die Regelung zum Einsatz auf anderen Stationen und die vorhandenen Lösungsansätze bei Belastungsspitzen (Braun et al. 2014: 49-51).

 

28,9% der befragten Pflegenden gaben an „alles in allem“ derzeit eher unzufrieden mit ihrem Arbeitsplatz zu sein, 9,4% waren sogar sehr unzufrieden. Ca. zwei Drittel der befragten Pflegenden war mit den körperlichen Anforderungen eher oder sehr unzufrieden, mit den psychischen Anforderungen war es etwas weniger als die Hälfte (Braun et al.: 2014: 52-53).

11,4% der Pflegenden würden einem pflegerischen Kollegen ihr eigenes Krankenhaus nicht, 26,4% eher nicht empfehlen (Braun et al. 2014: 52).

Ferner gaben die 858 befragten Pflegenden an, nachfolgende Aufgaben nicht in dem erforderlichen Maß z.B. aufgrund von Zeitdruck erbringen zu können (Braun et al. 2014: 53-55):

  • 77,9% der Pflegenden hatten keine Zeit für Patientenzuwendungen
  • 57,2% der Pflegenden gab an sich nicht ausreichend der Beobachtung von verwirrten Patienten widmen zu können
  • 54,4% der Pflegenden gab an Patienten und Angehörige nicht beraten zu können
  • 52,6% der Pflegenden gaben an Patienten nicht mobilisieren zu können.

 

Qualitäts- und Sicherheitsdefizite

Auf die Frage wie häufig es zu Qualitäts- und Sicherheitsdefiziten in den vergangenen sechs Monaten gekommen sei gaben (Braun et al. 2014: 58-59):

  • 27% der befragten Pflegenden an, ständig oder oft Patientenbeschwerden oder solche durch Angehörige zu erleben.
  • 24,3% der befragten Pflegenden an, ständig oder oft von Patienten beschimpft zu werden.
  • 22,3% der befragten Pflegenden an, ständig oder oft Infektionen während eines Aufenthalts zu erleben.
  • 10% der befragten Pflegenden an, ständig oder oft Verletzungen  nach Sturz im Krankenhaus zu erleben.

Insgesamt resümieren die Gutachter: „Durch die kurzfristige Akkumulation verschiedener Arbeitsanforderungen kommt es zu Arbeitsspitzen, die eine besondere Belastung für das Pflegepersonal darstellen und die Gefahr von Pflegefehlern erhöhen. Sowohl die Qualifikation als auch die Anzahl der in der Pflege tätigen Mitarbeiter/innen reichen vor allem im Nachtdienst auf den beobachteten Stationen bei Arbeitsspitzen nicht aus, um eine qualitativ hochwertige Pflege sicherzustellen“ (Braun et al. 2014: 99).

Dezidierte Schlussfolgerungen sind u.a. (vgl. Braun et al. 2014: 99-102):

  • Zusätzlicher Einsatz von Fach- und Hilfskräften, um u.a. kurzfristige Arbeitsspitzen besser kompensieren zu können
  • Umschwenken zu „neuen“ Pflegeorganisationsformen z.B. Bereichspflege oder Primary Nursing
  • Verbesserung der inter- und intraprofessionellen Kommunikation und Zusammenarbeit
  • Kompetenzen von Führungspersonen fördern
  • Rationierung- und Priorisierungskriterien nach ethischen Gesichtspunkten bilden, um die knappen Ressourcen einteilen zu können

Es bleibt abzuwarten, ob sich in Folge des Gutachtens die Lage vor Ort verbessert. Weitere ausgedehnte Studien könnten eine Verbesserung der pflegerischen Praxis zunehmend forcieren.

Quellen

Braun B, Darmann-Finck I, Stegmüller K, Greiner AD, Siepmann M (2014) Gutachten zur Situation der Pflege in hessischen Akutkrankenhäusern. URL: www.forum-gesundheitspolitik.de/dossier/PDF/Hessen-Gutachtenn-final-1.pdf (letzter Zugriff: 09.12.2016).

Situation der Pflege in hessischen Akutkrankenhäusern
Autor: Jörg Schmal
BVfbPKNewsletter_Situation_Pflege_in_hes[...]
PDF-Dokument [216.3 KB]

Bundesverband freiberuflicher Pflegefachkräfte e.V.
Theodor-Heuss-Allee 112
60486 Frankfurt

E-Mail: info@bvfpk.de

Kontakt:

 

Telefon: 069 - 66 77 41 - 197

Fax: 069 - 66 77 41 - 198

Bankverbindung:

 

Frankfurter Sparkasse

Ktnr. 0200500821

Blz.   50050201

IBAN DE36 5005 0201 0200 5008 21

BIC HELADEF1822

NEWSLETTER

einfach bestellen:

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Bundesverband freiberuflicher Pflegefachkräfte