Gesundheit fördern Pflege stärken Qualität sichern
Gesundheit fördern     Pflege stärken     Qualität sichern

Prävention beatmungsassoziierter Pneumonien

2013 wurden die im Jahr 2000 herausgegebenen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts zur Vermeidung nosokomialer beatmungsassoziierter Pneumonien überholt. Hier erfahren freiberuflich Pflegende, welche Maßnahmen zur Prävention ergriffen werden können.

Eine Pneumonie gilt dann als beatmungsassoziiert, wenn ein Patient mindestens 48h beatmet war. Eine nosokomiale beatmungsassoziierte Pneumonie verlängert den Krankenhausaufenthalt im Schnitt um 6 bis 9 Tage. Daneben ist die beatmungsassoziierte Pneumonie die am häufigsten tödlich verlaufende Krankenhausinfektion

 

Risikofaktoren identifizieren

Freiberufliche Pflegende achten auf Risikofaktoren, die eine Entstehung einer nosokomialen beatmungsassoziierten Pneumonie begünstigen:

  • Endogene (patientenbezogene) Risikofaktoren:
    • Alter > 65 Jahre
    • Bestehende Erkrankung des Immunsystems oder Immunsuppression
    • Schwerwiegende neurologische Erkrankungen
    • Schwere COPD
    • Aspiration
  • Exogene (interventionsbezogene) Risikofaktoren
    • Langzeit- und Reintubation und Beatmung
    • Medikamentöse Therapie mit Sedativa
    • Mikroaspiration
    • Operative Eingriffe
  • Spezielle Risikofaktoren in der Pädiatrie
    • Alter < 1 Jahr
    • Neuromuskuläre Blockade
    • Genetisch bedingtes Syndrom
    • Vorbehandlung mit Antibiotika
    • Enterale Ernährung
    • Bronchoskopie

Maßnahmen zur Vermeidung einer beatmungsassoziierten Pneumonie

Freiberuflich Pflegende achten im Umgang mit Risikopatienten auf die strikte Einhaltung der Händehygiene. Daneben verwenden Sie die korrekte Bereichs- und Schutzkleidung. Die KRINKO empfiehlt keine standardisierte, flächendeckende Untersuchung des Trachealsekrets zur Identifikation mikrobieller Kulturen. Dies ist, so die KRINKO, nur bei Infektions- oder Ausbruchsverdacht indiziert.

Apparativ-technische Maßnahmen zur Vermeidung einer beatmungsassoziierten Pneumonie sind:

  • Beatmungsschläuche max. im siebentägigen Intervall wechseln, außer bei Beschädigung oder sichtbarer Verschmutzung. In diesem Fall umgehend den Schlauch wechseln
  • Bei der Auswahl des Filters Produkte mit längerer Standzeit favorisieren
  • Wasserfallen bei aktiver Befeuchtung regelmäßig leeren
  • Bezüglich der Verwendung silberbeschichteter Endotrachealtuben besteht laut KRINKO noch keine wissenschaftliche Evidenz, die den Nutzen belegt. Es gibt Indizien für ein reduziertes Infektionsrisiko, welche durch weitere Studien verifiziert oder falsifiziert werden müssen.
  • Der Cuffdruck soll zur Blockung der Tubusmanschette je nach Beatmungssituation auf 20 bis 30 cm H2O eingestellt sein und laufend überprüft werden.
  • Ist eine Beatmungsdauer von über 72h abzusehen, soll ein Endotrachealtubus zur subglottischen Sekretdrainage verwendet werden. Wurde dies nicht veranlasst muss im Einzelfall zwischen dem Vorteil eines Endotrachealtubus zur subglottischen Sekretdrainage und dem Infektionsrisiko beim Wechsel (Umintubation) abgewogen werden.
  • Beim endotrachealen Absaugen werden, wenn mit einer Umgebungskontamination zu rechnen ist, geschlossene Systeme bevorzugt verwendet. Ein Wechsel des Systems erfolgt mindestens einmal wöchentlich. Nach Verwendung des geschlossenen Systems wird dieses mit steriler Flüssigkeit gespült. Wird offen endotracheal abgesaugt, werden sterile Handschuhe und sterile Katheter verwendet. Ist der Überleitungsschlauch bereits vom Patienten diskonnektiert, kann dieser mit keimarmer Flüssigkeit gespült werden. Die KRINKO hebt hervor, dass unter infektionspräventiven Gesichtspunkten kein Unterschied zwischen offenen und geschlossenen Systemen identifiziert wurde.
  • Bei Verwendung von Medikamentenverneblern sind nach initialer Händedesinfektion Einmalhandschuhe zu tragen. Nach Gebrauch sind diese laut Herstellerangaben aufzubereiten. Die KRINKO empfiehlt die Verwendung von Einmalverneblern.

Patientenbezogene Maßnahmen zur Vermeidung einer beatmungsassoziierten Pneumonie sind:

  • Die orotracheale Intubation ist gegenüber der nasotrachealen zu bevorzugen, da es bei der nasotrachealen Intubation zu Schleimhaut- und Nasenseptumnekrosen kommen kann. Außerdem steht die begünstigte Entwicklung von Sinusitiden im Verdacht. Dies ist allerdings wissenschaftlich noch nicht valide bestätigt.
  • Zwei Metaanalysen kommen zu dem Ergebnis, dass weder eine frühe (3.-4. Beatmungstag) noch eine späte Tracheotomie (ab 7. Beatmungstag) einen signifikanten Effekt auf die Pneumonie-Inzidenz hat.
  • Bei Patienten mit COPD und kardiogenem Lungenödem sowie als auch bei Kindern mit schwerer Bronchiolitis, akuter respiratorischer Insuffizienz oder Immunsuppression soll die Verwendung einer nicht-invasiven Beatmung (NIV) in Betracht gezogen werden, da hierdurch die Gefahr einer Entstehung einer Pneumonie reduziert wird.
  • Bezüglich der Positionierungsmaßnahmen distanziert sich die KRINKO aufgrund fehlender wissenschaftlicher Evidenz von der standardmäßigen Oberkörperhochpositionierung. Diese kann allerdings dennoch im Rahmen eines präventiven Maßnahmenbündels vertreten sein.
  • Freiberufliche Pflegende führen eine regelmäßige Mundpflege mit antiseptischen Substanzen durch, da dies eine nachgewiesene Wirksamkeit auf die Senkung des Infektionsrisikos hat.
  • Bezüglich der Ernährung ist eine enterale einer parenteralen vorzuziehen. Zur Lage der Sonde, ob gastral oder duodenal, zur Applikationsart, ob Bolus oder kontinuierlich, und zum Zeitpunkt kann derzeit kein Empfehlung ausgesprochen werden.

Freiberuflich Pflegende orientieren sich an den bestehenden Maßnahmenbündeln zur Prävention nosokomialer beatmungsassoziierter Pneumonien und sorgen für deren Einhaltung, indem z.B. bestehende Checklisten verwendet werden.

Freiberuflich Pflegende können das Infektionsrisiko senken, indem sie die oben aufgeführten Maßnahmen einhalten. Daneben reduzieren sie durch ihre Man- bzw. Woman-Power das Infektionsrisiko, da mit einer Erhöhung des Personalschlüssels auch die Gefahr an einer nosokomialen Infektion zu erkranken minimiert wird (vgl. Babcock et al. 2004, Schwab et al. 2012).

 

Quellen:

Babcock HM et al. (2004) An educational intervention to reduce ventilator-associated pneumonia in an integrated health system: a comparison of effects. Chest 125(6): 2224-2231.

Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2013) Prävention der nosokomialen beatmungsassoziierten Pneumonie. Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsblatt 56(11): 1578-1590. URL: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Kommission/Downloads/Pneumo_Rili.pdf?__blob=publicationFile (letzter Zugriff: 07.02.2016).

Schwab F et al. (2012) Understaffing, overcrowding, inappropriate nurse:ventilated patient ratio and nosocomial infections: which parameter is the best reflection of deficits?. J Hosp Infect 80(2): 133-139.

 

 

 

Prävention von beatmungsassoziierten Pneumoniene
BVfbPKNewsletter_Wissen_Beatmungsassozii[...]
PDF-Dokument [224.2 KB]

Bundesverband freiberuflicher Pflegefachkräfte e.V.
Theodor-Heuss-Allee 112
60486 Frankfurt

E-Mail: info@bvfpk.de

Kontakt:

 

Telefon: 069 - 66 77 41 - 197

Fax: 069 - 66 77 41 - 198

Bankverbindung:

 

Frankfurter Sparkasse

Ktnr. 0200500821

Blz.   50050201

IBAN DE36 5005 0201 0200 5008 21

BIC HELADEF1822

NEWSLETTER

einfach bestellen:

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Bundesverband freiberuflicher Pflegefachkräfte