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Adipositas – Freiberufler in Prävention und Therapie

Im Jahr 2014 ist die interdisziplinäre S-3 Leitlinie zur Prävention und Therapie  der Adipositas unter der Federführung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) e.V. erschienen. Ziel der Leitlinie ist es die Wahrnehmung des Gesundheitsproblems Adipositas zu verbessern und Therapeuten in Medizin und Pflege sowie als auch Patienten Informationen und Empfehlungen zur Prävention und Therapie an die Hand zu geben. Hier erfahren freiberuflich Pflegende welche Maßnahmen sie zur Vermeidung und Behandlung der Adipositas ergreifen können.

Von Adipositas spricht man wenn eine über das Normalmaß bestehende Ansammlung von Körperfett vorzuweisen ist. Nimmt man den BMI als Maß ist dies bei >30 kg/m2 der Fall. Übergewicht besteht bei einem BMI von 25-29,9 kg/m2.

Neben dem BMI kann auch der Taillenumfang herangezogen werden. Eine abdominale Adipositas liegt bei Frauen bei ≥ 88cm und bei Männer ≥ 102cm vor. Ab diesem Schwellenwert ist das Risiko für metabolische und kardiovaskuläre Komplikationen deutlich erhöht. Adipositas hat als Risikofaktor für Gesundheitsschäden zugenommen. Waren 1998 in Deutschland noch 18,8% der Männer und 21,7% der Frauen adipös, waren es 2011 23,3% und 23,9% (DAG 2014: 18). Die jährliche Belastung des Gesundheitswesens aufgrund der Adipositas und der Behandlung der Folgeerkrankungen wird jährlich auf ca. 15 Mrd. € geschätzt.

Ursachen für Übergewicht und Adipositas sind u.a. (vgl. DAG 2014: 17)

  • Familiäre Disposition
  • Ungesunder Lebensstil in puncto Ernährung und Bewegung
  • Schlafmangel
  • Stress
  • Niedriger sozialer Status
  • Endokrine Erkrankungen z.B. Cushing-Syndrom, Hypothyreose
  • Nebenwirkungen von Medikamenten z.B. Antidepressiva, Neuroleptika
  • Essstörungen z.B. Binge-Eating-Disorder

 

Mit der Adipositas steigt das Risiko an zahlreichen Folgeerkrankungen zu leiden. Bei nachfolgenden ist das Risiko  2 bis über 3fach erhöht u.a. (DAG 2014: 20):

  • Diabetes mellitus
  • Cholezystolithiasis
  • Fettleber
  • Schlaf-Apnoe-Syndrom
  • Koronare Herzkrankheiten
  • Hypertonie

Daneben steigt u.a. das Risiko an einer vaskulären Demenz oder an Erkrankungen des Urogenitaltrakts zu leiden. Menschen mit Adipositas haben außerdem ein erhöhtes Operations-, Narkose- und Unfallrisiko sowie als auch eine reduzierte Lebensqualität. Freiberuflich Pflegende kennen mögliche Ursachen und Folgen einer Adipositas.

Sensibilität statt gewichtsbezogener Diskriminierung

Menschen mit Adipositas werden in der westlichen Gesellschaft stark diskriminiert. Gründe für die soziale Abgrenzung und die Benachteiligung sind die vorherrschenden Vorstellungen Adipositas sei auf „…Faulheit, Willensschwäche und Disziplinlosigkeit…“ (DAG 2014: 24) zurückzuführen. Eine Stigmatisierung erfolgt dabei nicht nur durch die Medien, sondern auch in jeglichen sozialen Beziehungen – auch im Arbeitsumfeld. Adipösen Angestellten wird so weniger zugetraut als normalgewichtigen.

Freiberuflich Pflegende sprechen daher behutsam ein bestehendes Übergewicht an, da ein forsches Vorgehen eine bestehende „Selbststigmatisierung“ verstärken kann, die sich durch Minderwertigkeitsgefühle, verloren gegangenes Selbstbewusstsein, eine erhöhte Vulnerabilität oder depressive Störungen zeigen kann.

Prävention der Adipositas

Freiberuflich Pflegenden kommt im Rahmen der Prävention eine große Bedeutung zu. Sie beraten Patienten im Kontext der Patientenedukation gemäß der interdisziplinären Leitlinie zu folgenden Punkten:

  • Bedarfsgerechte Ernährung mit regelmäßiger körperlicher Bewegung und Gewichtskontrollen
  • Verzehr von Lebensmitteln mit erhöhter Energiedichte reduzieren und mit niedriger erhöhen
  • Verzehr von Fast-Food reduzieren
  • Konsum von Alkohol reduzieren
  • Verzehr zuckerhaltiger Softdrinks reduzieren
  • Regelmäßige körperliche Bewegung, sitzende Tätigkeiten beschränken
  • Patienten nach Rauchstopp oder bei Medikamenteneinnahme, die zur Gewichtszunahme führen, sollte ein Gewichtsmanagementprogramm angeboten werden

Freiberuflich Pflegende weisen ihre Patienten darauf hin, dass ab  dem 35.Lebensjahr verstärkt die präventive Gesundheitsuntersuchung nach § 25 SGB V zur Risikoerfassung genutzt werden sollen.

Therapie der Adipositas

Eine Indikation zur Therapie einer Adipositas liegt zum einem ab einem BMI von 30kg/m2 vor. Zum anderen bei Übergewicht und einem BMI zwischen 25 und 30kg/m2 und gleichzeitigem Vorliegen von einer übergewichtsbedingten Gesundheitsstörung, einer abdominalen Adipositas, einer Erkrankung, die durch die Adipositas verschlimmert werden würde oder einem psychosozialen Leidensdruck. Eine Kontraindikation besteht bei einer konsumierenden Erkrankung und bei Schwangerschaft. (vgl. DAG 2014: 36-37)

Freiberuflich Pflegende formulieren gemeinsam mit ihren Patienten Therapieziele (DAG 2014: 38):

  • Langfristige Senkung des Körpergewichts, Reduktion Adipositas-assoziierter Risikofaktoren und Krankheiten, Steigerung der Lebensqualität
  • Planung realistischer Ziele
    • BMI 25 bis 35 kg/m2: > 5 % des Ausgangsgewichts
    • BMI > 35 kg/m2: >10 % des Ausgangsgewichts
  • Angebot stabilisierender Maßnahmen über den Zeitraum der Gewichtsabnahme hinaus (Risiko eines Rezidivs)

Freiberuflich Pflegende interagieren im interdisziplinären Team und eruieren gemeinsam die Therapievoraussetzungen im Rahmen eines Anamnesegesprächs. Eine hohe Compliance, also eine große Bereitschaft bei der Therapie und der Erreichung des Therapieziels mitzuwirken, ist ein unerlässliches Fundament für den Erfolg der Maßnahmen.

Maßnahmen zur Behandlung der Adipositas

Maßnahmen zu Behandlung der Adipositas gliedern sich zunächst in Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie.

Maßnahmen zur Ernährungstherapie sind laut der interdisziplinären Leitlinie (vgl. DAG 2014: 44-50):

  • Individualisierte, verständliche Ernährungsberatung, die Therapieziele, Risikofaktoren, persönliches und berufliches Umfeld beachtet
  • Tägliches Energiedefizit von 500kcal/Tag (ggf. auch höher) anstreben z.B. durch Reduktion des Fett- und Kohlehydratverzehrs
  • Zeitlich begrenzt kann unter ärztlicher Aufsicht der Verzehr von Formulaprodukten mit einer Energiezufuhr von 800 – 1.200kcal/Tag herangezogen werden
  • Vermeidung einer einseitigen Ernährung, da der Langzeiteffekt nicht gegeben ist

Maßnahmen zur Bewegungstherapie sind laut der interdisziplinären Leitlinie (vgl. DAG 2014: 50-53):

  • Ermutigung, Motivation zur Bewegungstherapie z.B. durch Hinweisen auf positive metabolische Effekte
  • Energieverbrauch durch Bewegung bei 1.200 – 1.500kcal/Woche (>150min pro Woche);  alleiniges Krafttraining ist nicht effektiv
  • Ab einem BMI von 35kg/m2 sollen keine belastenden Sportarten getrieben werden
  • Fortsetzung von Bewegungsmaßnahmen nach Erreichen des Zielgewichts

Maßnahmen zur Verhaltenstherapie sind laut der interdisziplinären Leitlinie (vgl. DAG 2014: 53-57) fester Bestandteil der Behandlung der Adipositas. Die Interventionen enthalten u.a. nachfolgende psychotherapeutische Elemente:

  • Reflexion des eigenen Verhaltens
  • Stimuluskontrolle
  • Rückfallprävention
  • Soziale Unterstützung (social support)

In ausgewählten Fällen kann eine medikamentöse oder chirurgische Therapie ergriffen werden.

Langfristige Gewichtskontrolle – Freiberufler bieten Unterstützung

Freiberufler sichern das erreichte Zielgewicht mittels langfristiger Gewichtsstabilisierung. So beraten freiberuflich Pflegende ihre Patienten dazu neu erlernte Ernährungsmuster beizubehalten und diese in regelmäßigen Abständen zu reflektieren. Nach der Gewichtsreduktion ist es außerdem ratsam die körperliche Aktivität zu steigern, sodass es nicht zum berühmt berüchtigten Jo-Jo-Effekt kommt. Regelmäßiges Wiegen kann helfen einen Gewichtsanstieg rechtzeitig zu erkennen, sodass zeitnah Gegenmaßnahmen ergriffen werden können.

Freiberuflich Pflegende unterstützen somit in Prävention und Therapie ihre Patienten. Im Rahmen der Patientenedukation nehmen sie hier im Rahmen des bestehenden autonomen Handlungsfelds eine zentrale Position ein, welche die individuelle Lebensqualität der Patienten verbessert.

Quellen:

Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) e.V., Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG),

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V., Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin

(DGEM) e.V. (Hrsg.) (2014) Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur „Prävention und Therapie der Adipositas“ 2. Auflage. http://www.adipositas-gesellschaft.de/fileadmin/PDF/Leitlinien/050-001l_S3_Adipositas_Praevention_Therapie_2014-11.pdf (04.10.2015).

 

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