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Masterplan 2020 – Reform des Medizinstudiums

Am 31.März 2017 wurde der „Masterplan Medizinstudium 2020“ beschlossen. Damit soll laut Bundesgesundheitsminister Gröhe ein wichtiger Schritt hin zu einem modernen Medizinstudium gegangen werden. Neben einer Stärkung des Praxisbezugs liegt auch die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum im Fokus des Programms. Freiberuflich Pflegende erfahren hier, welche Eckpunkte bereits bekannt sind.

 

Der „Masterplan Medizinstudium 2020“ wurde am 31.März 2017 von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und Bundesforschungsministerin Johanna Wanka sowie Vertreterinnen und Vertretern der Kultusministerkonferenz der Länder und der Koalitionsfraktion des Deutschen Bundestages beschlossen. Dabei werden sowohl Studienstrukturen als auch Inhalte reformiert.

 

Kompetenzorientierung in der Ausbildung

Studierende sollen gemäß dem Masterplan in Zukunft neben Wissen auch Fähigkeiten, Fertigkeiten und Haltungen erwerben. Dazu sollen Inhalte künftig fächerübergreifend gelehrt werden. Auch das wissenschaftliche Arbeiten soll einen größeren Stellenwert einnehmen. Schließlich wird die Arzt-Patienten-Kommunikation hervorgehoben, da diese für einen optimalen Therapie- und Genesungsprozess unabdingbar ist. Mit dem fortwährenden Ausbau kommunikativer Kompetenzen soll auch das Wohlbefinden der Patienten gesteigert werden. Infolge eines zunehmend komplexer werdenden Gesundheitssystems mit zahlreichen multiprofessionellen Akteuren gilt es die Grundfeste einer stimmigen Zusammenarbeit bereits im Medizinstudium zu verarbeiten, um die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu optimieren.

Praxisnähe und Orientierung am Patienten

„In der Ausbildung soll frühzeitig die konsequente Orientierung am Patienten und seinen Bedürfnissen erlernt und eingeübt werden“ (BMBF 2017: 6). Künftig sollen daher klinische und theoretische Inhalte vom Studienbeginn enger verzahnt vermittelt werden. Ärzte sollen gemäß dem Masterplan nicht nur hochspezialisierte Fälle und Krankheitsbilder kennenlernen, sondern vielmehr mit alltäglichen Erkrankungen in der ambulanten und stationären Praxis konfrontiert werden. Lehrpraxen werden dazu verstärkt in die ärztliche Ausbildung einbezogen.

 

Stärkung der Allgemeinmedizin in der Ausbildung

„Die Allgemeinmedizin muss in der Ausbildung den Stellenwert erhalten, der ihr in der Versorgung zukommt“ (BMBF 2017: 6). Mit dem Masterplan wird die Allgemeinmedizin an den Hochschulen gestärkt, um infolge eines größeren Interesses für das Fachgebiet die flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Inhaltlich im Fokus stehen hier u.a. Strategien zur Langzeitversorgung chronisch kranker Menschen, gesetzliche Früherkennungsuntersuchungen, Umgang mit Multimorbidität, Hausbesuche und Familienmedizin.

 

Da der Allgemeinmedizin ein bedeutender Stellenwert im Rahmen des Masterplans eingeräumt wird, sollen zukünftig alle Medizinstudenten im Staatsexamen am Ende ihrer Ausbildung in der Allgemeinmedizin geprüft werden. Mit einer strukturellen Umstellung des PJ von Tertialen in Quartale werden neben den Pflichtquartalen in der Inneren Medizin und der Chirurgie auch zwei Wahlquartale geschaffen. Hiervon ist eines in einem ambulanten vertragsärztlichen Bereich zu leisten.

 

Gestaltung einer praxisnahen Prüfung

„Den Paradigmenwechsel in der ärztlichen Ausbildung hin zum kompetenzbasierten Lernen vollziehen wir auch in den Prüfungen nach“ (BMBF 2017: 8). Die Reform der Prüfungsformalitäten sieht u.a. folgendes vor:

  • Vorgabe einer einheitlichen staatlichen Prüfung nach dem ersten Studienabschnitt (schriftlich nach vier Semestern, mündlich-praktisch nach sechs Semestern). Mittels einer OSCE-Prüfung („Objective Structured Clinical Examination“) soll ggf. der mündlich-praktische Part absolviert werden.
  • Überarbeitung des zweiten, schriftlichen Abschnittes der Staatsprüfung (bislang faktenorientiert)
  • Beibehaltung der dritten staatlichen Prüfung am Patientenbett mittels standardisierter Checklisten, Umgestaltung des zweiten praktischen Prüfungstags zu einer OSCE-Prüfung
  • Zusätzliche Einführung eines universitären Leistungsnachweises in Form einer OSCE-Prüfung

 

 

Zulassung zum Studium nicht nur mittels Abiturnote

Neben der Abiturnote als wichtiger Prädiktor für den Studienerfolg werden in Zukunft bei der Zulassung zum Studium auch mindestens zwei weitere Kriterien berücksichtigt. „So sollen u.a. auch soziale und kommunikative Kompetenzen sowie einschlägige Berufserfahrung im Auswahlverfahren künftig stärkeres Gewicht haben“ (BMBF 2017: 10). Neben der Berücksichtigung der kommunikativen Kompetenzen wird vor allem die Ausbildung oder Tätigkeit in medizinischen Berufen stärker gewichtet. Ob freiwilliges soziales Jahr, Pflegeausbildung oder ehrenamtliche Tätigkeit – mit einer einschlägigen Praxiserfahrung wird der Zugang zum Medizinstudium verbessert.

 

Nachwuchsgewinnung für flächendeckende hausärztliche Versorgung

Die hausärztliche Versorgung in ländlichen Regionen befindet sich u.a. aufgrund der gemäßigten Attraktivität in den Augen junger Ärzte und des demographischen Wandels in einer prekären Situation. Der Masterplan 2020 versucht hier entgegenzusteuern. Insgesamt soll Studierenden von Beginn an die Möglichkeit angeboten werden auch im landärztlichen Versorgungsbereich tätig zu sein, da bekannt ist, dass bei frühzeitiger Einbindung hausärztlicher Praxen auch die Attraktivität in Augen der Studierenden dort später zu arbeiten steigt. Außerdem sollen mittels der Vergabeverordnung der Stiftung für Hochschulzulassung bereits vorab bis zu 10% der Studienplätze an Bewerber vergeben werden, die sich bereiterklären nach Studienabschluss für bis zu zehn Jahren in der hausärztlichen Versorgung im ländlichen Raum tätig zu sein. Neben einer Absicherung mit entsprechenden Sanktionen soll auch die Motivationslage der Bewerber gesondert mittels besonderer Auswahlverfahren geprüft werden.

 

Quellen:

BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung (2017) Masterplan Medizinstudium 2020 – Beschlusstext. URL: www.bmbf.de/files/2017-03-31_Masterplan%20Beschlusstext.pdf (letzter Zugriff: 16.04.2017).

 

BMG & BMBF Bundesministerium für Gesundheit & Bundesministerium für Bildung Forschung (2017) Wichtiger Schritt zu modernem Medizinstudium: „Masterplan Medizinstudium 2020“. Pressemitteilung vom 31.März 2017. URL: www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/4_Pressemitteilungen/2017/2017_1/170331_PM_Masterplan_Medizinstudium.pdf (letzter Zugriff: 17.04.2017).

 

Masterplan 2020 – Reform des Medizinstudiums
Autor: Jörg Schmal
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