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Dialyse blinder Patienten: Ggf. besondere Sicherungsmaßnahmen erforderlich

Bei der Dialyse von Patienten mit Einschränkungen können besondere Maßnahmen wie z.B. die Fixierung des mit der Dialysenadel versehenen Arms geboten sein können, um eine lebensgefährdende Lageveränderung der Dialysenadel während der Behandlung zu verhindern.

 

Vor dem OLG Hamm hatte die Haftungsklage der Ehefrau eines verstorbenen Patienten gegen Ärzte einer nephrologischen Praxis Erfolg, in welcher der aufgrund einer Diabeteserkrankung erblindete 67-Jährige dreimal wöchentlich eine Dialysebehandlung hatte durchführen lassen.

 

Im Juni 2014 hatte sich dabei eine der im linken Oberarm befestigten Dialysenadeln gelöst. Die dadurch ausgelöste Blutung hatte den Tod des Patienten verursacht. Aufgrund fehlerhafter Dialysebehandlung sprach das OLG Hamm den Erben des Verstorbenen 5.000 € Schmerzensgeld und ca. 2.700 € Beerdigungskosten zu.

 

Die Beklagten hätten es versäumt, die in der besonderen Situation des blinden Patienten gebotenen Maßnahmen zu treffen, mit denen eine Dislokation der Dialysenadel mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu verhindern gewesen sei. Bei dem Erblindeten sei es geboten gewesen, seinen linken Arm während der Dialysebehandlung zu fixieren; man habe sich nicht darauf verlassen können, dass er bei einem Blutverlust rechtzeitig Alarm auslöse. Zumindest habe der Patient vor Behandlungsbeginn darüber aufgeklärt werden müssen, dass es im seltenen Fall einer Dislokation der Dialysenadel zu einem tödlichen Blutverlust kommen und dieses Risiko durch eine Fixierung des Arms nahezu ausgeschlossen werden kann, so dass er im Rahmen seines Selbstbestimmungsrechts über die Fixierung hätte entscheiden können. Demgegenüber sei von einer Dialysepraxis eine dauerhafte Überwachung eingeschränkter Patienten aufgrund des personellen und finanziellen Aufwandes nicht zu fordern. Auch bei Patienten, die nicht selbst Alarm auslösen können, genüge in der Regel eine stündliche Kontrolle.

Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 16.02.2016 – Az. 26 U 18/15

 

Kontakt zum Autor: Dr. Tobias Weimer, M.A., Fachanwalt für Medizinrecht, c/o WEIMER I BORK – Kanzlei für Medizin-, Arbeits- & Strafrecht, Frielinghausstr. 8, 44803 Bochum, www.kanzlei-weimer-bork.de; info@kanzlei-weimer-bork.de

 

Rechtssprechung - Dialyse blinder Patienten
Autor: Dr. Tobias Weimer
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