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Gewalt in der Pflege

Gewalt hat im pflegerischen und medizinischen Wirkungsfeld verschiedene Erscheinungsformen. Der nachfolgende Artikel gibt freiberuflichen Pflegekräften einen komprimierten Überblick über das äußerst komplexe Thema „Gewalt in der Pflege“. Erfahren Sie welche Formen Gewalt annehmen kann und wie Sie gezielt präventiv aber auch reaktiv reagieren können. Inhaltlich stützt sich der Artikel auf den 2015 vom Zentrum für Qualität in der Pflege herausgegebenen Themenreport zur Thematik „Gewalt in der Pflege“.

Gewalt wird laut WHO wie folgt definiert: „Gewalt ist der absichtliche Gebrauch von angedrohtem oder tatsächlichem körperlichem Zwang oder physischer Macht gegen die eigene oder eine andere Person, gegen eine Gruppe oder Gemeinschaft, der entweder konkret oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Verletzungen, Tod, psychischen Schäden, Fehlentwicklung oder Deprivation führt“ (WHO 2003).

Gewalt kann im pflegerischen und medizinischen Setting diverse Erscheinungsformen annehmen. Exemplarisch seien folgende aufgeführt (ZQP 2015: 11):

  • Körperliche Gewalt z.B. Schlagen, Fixierung, Entzug von Hilfsmitteln
  • Medikamentenmissbrauch z.B. zur Sedierung
  • Sexueller Missbrauch z.B. Verletzung der Intimsphäre, verbale Andeutungen, (unfreiwilliger) Geschlechtsverkehr
  • Psychische Gewalt z.B. Drohung, Schreien, Ignorieren
  • Finanzielle Ausbeutung z.B. Diebstahl, Betrug
  • Vernachlässigung z.B. reduzierte Pflegequalität, Unterlassung von Hilfs- und Unterstützungsangeboten

Gewalt in der Pflege benötigt einen Nährboden, sodass die Saat der Aggression aufgehen kann. Folgende Risikofaktoren begünstigen u. a. das Vorkommen von Gewalt in der Pflege, weshalb es in einem interdisziplinären Team im Sinne der Enttabuisierung zur Reduktion von Gewalt darüber zu reden gilt (ZQP 2015: 68):

  • Häufige Übergriffe durch Pflegebedürftige oder andere persönliche Gewalterfahrung z.B. im privaten Umfeld
  • Alkohol- oder Substanzmissbrauch der Pflegenden
  • Soziale Isolation von Pflegebedürftigen und / oder Pflegeempfänger
  • Private Konfliktsituationen im familiären oder partnerschaftlichen Umfeld
  • Hohe Anzahl demenziell erkrankter Pflegebedürftiger
  • Zunehmende Pflegebedürftigkeit des Pflegeempfängers z.B. eingeschränkte Mobilität, erhöhtes Selbstpflegedefizit
  • Hohes Belastungsempfinden, Gefühl der Überforderung u.a. durch Unerfahrenheit
  • Schlechte Beziehungsqualität zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen z.B. ausgeprägte Hierarchie, massives Abhängigkeitsverhältnis
  • Informationsdefizite u.a. bezüglich Krankheitsentstehung, -verlauf und die damit einhergehenden Symptome

Prävention von Gewalt in der Pflege

Bei der Prävention von Gewalt in der Pflege gilt es zunächst die Risikofaktoren zu kennen und basierend auf diesen das Gewaltpotential auf der jeweiligen Station zu ermitteln. Daneben sollten freiberuflich Pflegende u.a. bei folgenden Verhaltensweisen und Umgangsformen hellhörig werden (vgl. ZQP 2015: 69-71):

  • Verrohte oder abfällige Kommunikation z.B. unaufgefordertes Duzen, Verwendung von Schimpfwörtern
  • Unangemessene Unterstützung bei der Mobilisierung oder Mobilitätseinschränkungen z.B. ruckartiges, grobes Anpacken oder banalisierte Durchführung freiheitsentziehender Maßnahmen jedweder Natur
  • Gefährliche Körperpflege z.B. zu heißes oder zu kaltes Wasser, Haare schneiden gegen Willen, Durchführung ungewollter Maßnahmen

Neben körperliche Symptomen wie z.B. Druckgeschwüren, Griffspuren, Mangelernährung, unhygienischem Gesamtbild, können auch psychische ins Auge fallen. Warnzeichen sind dann z.B. schreckhaftes oder scheues Verhalten des Pflegeempfängers, Übererregtheit, Apathie, Scham und Schuldgefühle.

Reaktion auf Gewalt in der Pflege

Pflegeempfänger nehmen gegenüber professionell Pflegenden eine Garantenstellung ein. Somit haben freiberuflich Pflegende nicht nur aus ethischer sondern auch aus rechtlicher Sicht die Aufgabe angemessen auf problematische Situationen, die sich durch ein Gewaltpotential auszeichnen,  zu reagieren. Sind zudem noch Aussagen von Pflegenden widersprüchlich zu denen der Pflegeempfänger oder wird auf Nachfragen mit Aggression reagiert, kann sich ein bestehender Verdacht erhärten.

Es gilt eine professionelle Beratung für Pflegeempfänger und Pflegefachperson einzuleiten, unverzüglich  die Pflegedienst- bzw. die Heimleitung zu informieren und das Geschehen zu protokollieren. Es kann sich anbieten einen Arzt hinzuzuziehen und / oder entstandene Wundmale z.B. mittels Fotodokumentation aufzuzeichnen.

In schwerwiegenden Fällen sollte die Polizei verständigt werden. Auf jeden Fall sollten aber Betreuer und Angehörige informiert werden.

Freiberuflich Pflegende können im Rahmen der Prävention von Gewalt und der Reaktion auf diese zu deeskalierenden Maßnahmen greifen. Somit kann eine Gewaltspirale unterbrochen werden, sodass die Empathie gegenüber der Aggression obsiegt.

Zudem kann die Implementierung eines Setting-bezogenen präventiven Ansatzes zur Reduktion von Gewalt in der Pflege angestoßen werden (Zeh et al. 2009, Blando et al. 2015).

Speziell für das ambulante Setting finden freiberuflich Pflegende konkrete Handlungsempfehlungen zum Thema Gewalt in der Pflege u.a. bezüglich angemessener, rechtskonformer Reaktion, auf der Homepage der Hochschule Fulda. Dort wurde das Projekt „Safer Care“ durchgeführt, welches u.a. dazu beitragen soll Konzepte zum Gewaltschutz im ambulanten Setting nachhaltig zu implementieren (Fachbereich Pflege und Gesundheit Hochschule Fulda 2014, Hocher et al. 2015).

Quellen

Blando J et al. (2015) Barriers to Effective Implementation of Programs for the Prevention of Workplace Violence in Hospitals. Online J Issues Nurs 20(1): 5.

Fachbereich Pflege und Gesundheit Hochschule Fulda (Hrsg.) (2014) Dokumentation auffälliger Befunde bei Pflegebedürftigen Handlungsempfehlungen für Pflegefachkräfte. URL: http://www2005.hs-fulda.de/fileadmin/Fachbereich_PG/PDF/Forschungsprojekte/InterpersGewalt/SaferCare/SaferCare2015_Handlungsempfehlungen.pdf (letzter Zugriff: 29.03.2016).

Hocher R et al. (2015) Konzepte zum Gewaltschutz nachhaltig implementieren. Empfehlungen des Forschungsprojektes „Safer Care“ für ambulante Pflegedienste. Hochschule Fulda. URL: http://www2005.hs-fulda.de/fileadmin/Fachbereich_PG/PDF/Forschungsprojekte/InterpersGewalt/SaferCare/SaferCare2015_LeitfadenImplementierung.pdf (letzter Zugriff: 29.03.2016).

World Health Organization (WHO) (2003) Weltbericht Gewalt und Gesundheit. URL: http://www.who.int/violence_injury_prevention/violence/world_report/en/summary_ge.pdf (letzter Zugriff: 29.03.2016).

Zeh A et al. (2009) Gewalt und Aggression in Pflege- und Betreuungsberufen –Ein Literaturüberblick. Gesundheitswesen 2009; 71: 449 – 459.

Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) (Hrsg.) (2015) Gewaltprävention in der Pflege. ZQP-Themenreport. http://www.pflege-gewalt.de/broschuere.html?file=upload/pdfs/B_TR_Gewalt_11web_vf.pdf (letzter Zugriff: 29.03.2016).

Gewalt in der Pflege
Autor: Jörg Schmal
Gewalt in der Pflege.pdf
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